Predigt NT
 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Mt 5, 38-45

Riskier was, Mensch, Motto der diesjährigen Fastenaktion 7 Wochen ohne. Ich hoffe, sie haben in dieser Zeit auch manches riskiert und dabei auch gute Erfahrungen mit sich und anderen gemacht. In diesem Jahr scheint es so, als ob die katholische Kirche und die Päpste dieses Motto mehr mit Inhalt füllen als die evangelische Kirche. Erst Benedikt, der mit seinem Rückzug vom Amt des Papstes einen ganz mutigen Schritt getan hat und die Tradition der Kirche damit angetastet hat. Und jetzt der neue Papst, der doch auf sehr eigene Art den Antritt seines Amtes begonnen hat.

Bevor ich euch segnen kann, stehe ich hier als Bedürftiger. Ich brauche euer Gebet. Vom Vatikan sind wir Machtgesten gewohnt, erwarten sie ja auch, wenn wir immer wieder davon reden, dass einer kommen muss, der etwas verändern soll. Ein durchsetzungsfähiger Mensch soll da oben stehen und wirken. Und nun riskiert dieser argentinische Erzbischof Jorge Mario Bergoglio genau diese Machtgesten und stellt sich hin und sagt: erst wenn ich auch eure Bestätigung in Form des Gebetes in der Stille hat, kann ich - getragen von Gottes erbetenen Beistand - selber segensreich wirken. Das ist schon eine ganz besondere Geste gewesen, die als Zeichen sicher auch nicht nur auf den Petersplatz und in die Welt gewirkt hat, sondern die auch in die Räume des Vatikan ausstrahlen wird. Mit welcher Wirkung, mit welchen Auswirkungen auf den Geist im Vatikan, das wird die Zukunft weisen. Mutig hat er das Papstamt menschlich weitergeführt.

Ein weiterer risikobehafteter Schritt war gewiss die Namensgebung. Franziskus. Das empfinde ich als evangelischer Geistlicher, der vieles von Franziskus Handeln gut findet und der auch die Stadt Assisi sehr liebt, als einen mutigen Schritt. Einen Heiligen, der den Reichtum der Kirche kritisiert hat, der in Armut und Bescheidenheit in seiner Zeit gewirkt hat, als Namenspatron zu nehmen, das ist ein deutliches Zeichen für eine Programm. Wie genau das aussehen wird, das werden uns die Medien schon in unser Wohnzimmer spülen. Vor allem aber wird es ein Maßstab sein für seine Amtszeit als Führer der größten christlichen Kirche. Franz von Assisi als Brille für die Handlungen des Franziskus des 21. Jahrhunderts. Wohl kaum ein anderer Name wurde so viel Erwartungen wecken, die man enttäuschen könnte. Hoffen wir, dass möglichst vieles, von dem was Franz von Assisi wichtig war, in der Kirche und nicht nur in der katholischen Kirche lebendiger wird : nämlich das Lebendighalten von Kirchen durch ein intensives Leben darin, das unendliche Vertrauen in den liebevollen Schöpfer, das sichtbar wird in der der Gemeinschaft von allen Geschöpfen auf der Erde und die Verantwortung des Menschen für sie. Das Leben in Armut und in der Sorge für diejenigen, die von Armut betroffen sind.

Das wäre gut, für die Menschen und letztlich auch für das Ansehen der Kirchen in der Welt. Wünschen wir dem Papst, dass sein Risiko für ihn und sein Ansehen gering und für seine Anliegen klein ist, für die Menschen und diese Welt aber hilfreich.

 

In diesem Gottesdienst soll aber auch der letzte biblische Text zur Sprache kommen, der die Aktion 7 Wochen ohne begleitet. Die letzten Tage von Mittwoch nächster Woche bis zum Osterfest begleiten uns die vorhin gehörten Worte aus der Bergpredigt. Sie führen uns in das Zentrum der Ethik Jesu, zu dem wohl spezifischsten Ausdruck dessen, was Jesu Glauben im Blick auf das Handeln der Menschen zum Ausdruck bringt.

Wenn die jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die linke hin. Liebe deine Feinde.

Als wir in dieser Woche eine Pfarrverbandssitzung hatten, habe ich diesen Text für unser anfängliches Bibelgespräch ausgesucht. Als ich den letzten Satz beendet hatte, hörte ich aus der Gruppe ein spontanes und von Herzen kommendes „Schön!“. Das Gespräch danach war dann durchzogen von dem große: Ja, aber….

Schön!  Darin höre ich eine große Zustimmung, die vielleicht viele von uns ergreift. Recht hat Jesus doch. Es kann doch nicht immer nur sein, dass wir Gewalt mit Gegengewalt beantworten. Das will doch letztlich niemand wirklich, weil wir doch wissen, dass Gewalt kein Mittel sein darf, auch wenn wir Menschen im Laufe des Daseins, dieses Mittel immer wieder angewandt haben. Aber es führte immer dazu, dass Opfer zurückblieben, dass Macht dazu führte, dass andere darunter zu leiden hatten.

Wie schön wäre es doch, wenn es anders auf der Welt wäre, wenn Menschen anders handeln würden. Wobei ja interessant ist, dass Jesus nicht von einer gesamt gewaltlosen Welt ausgeht. Er zeichnet nicht das Bild einer zukünftigen Welt ohne Gegeneinander, ohne Leid und Gewalt, die Menschen einander zufügen. Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, wenn jemand dich zwingt, eine Meile zu gehen, wenn jemand dir als Feind begegnet. Jesus ist Mensch genug, um zu wissen, dass dies Teil des Lebens ist, dem man auch nicht entfliehen kann. In Klöstern hat man dies versucht, hat sich gleichsam von der Welt abgeschlossen, um in den abgeschlossenen Mauern des Klosters anders zu leben. Aber die Geschichte zeigt, dass auch dort die ganz menschlichen Wesenszüge immer wieder durchkommen. Auch dort gab es Feindschaft, Machtspiele, Hass und Streit und nicht zuletzt Gewalt und Intrigen.

Wir könnten nun sagen, das ist nun einmal so im menschlichen Leben. Es gehört irgendwie dazu. Wir leben eben nicht mehr im Paradies, und genauso wie wir Krankheit und Tod annehmen müssen, so müssen wir auch die Gewalt als Teil des Lebens akzeptieren.

Könnte man machen. Aber warum sollten wir dieses „Schön“ in uns einfach ersticken? Warum hat es nicht einen Platz im Licht verdient?

Verletzungen riskieren und dem anderen als Kind Gottes begegnen. So überschreibt die Aktion 7 Wochen ohne diese Worte Jesu.

Jesus ruft uns als Christen zu das „Kind Gottes Sein“ ernst zu nehmen. Dabei steckt in dem Satz: „dem anderen als Kind Gottes begegnen“ ja eine zweifache Zielrichtung drin, die dabei beachtenswert ist. Denn es geht um unser eigenes Kind-Gottes-Sein und es geht und das Kind-Gottes-Sein der anderen.

Ihr seid nicht mehr nur Menschen mit genetischen, psychischen und naturgegebenen Prägungen. Jesus spricht die Menschen und damit uns an als diejenigen, die in Beziehung mit Gott stehen. Du bist ein Kind Gottes. Und wenn du dich so siehst und verstehst, dann gilt eine andere Sicht auf die Dinge des Lebens. Nicht die eigenen Gedanken sind prägend, sondern die Gottes. Und dafür steht Jesus ein, dafür opfert er sein Leben.

Gewalt fordert Gegengewalt - wie du mir, so ich dir. Wir kennen es aus Kindertagen und wir geben es an unsere Kinder weiter. Wer sich nicht wehrt, der ist nichts wert. Und Jesus stellt dagegen: du bist ein Kind Gottes. Und wenn der andere dich auch erniedrigt, indem er mit großer Verachtung den Handrücken nutzt, um dich auf die rechte Wange zu schlagen, er schafft es nicht, dich so klein zu machen, dass nichts mehr wert bist. Du bist ein Kind Gottes. Deshalb kannst du aufstehen, dem anderen auf Augenhöhe entgegentreten: wenn du meinst, du musst mich erniedrigen, dann tu es nochmal, doch es wird dir nichts nützen, denn dir gebe ich keine Macht über mein Leben.

Wenn du Römer das Recht hast, mich zu einem Dienst zu zwingen und ich eine Meile mit dir gehen muss, gut, das sollst du haben. Aber ich bin nicht unfrei, ich kann und will weiter über mein Leben bestimmen und zeige es dir, ich gehe eine weiterer Meile mit dir mit. Ich bin nicht der Getriebene, ich bin der frei Handelnde.

Du magst mir feindlich gesonnen sein, du willst etwas gegen mich tun. Damit triffst du mich, damit reizt du mich. Doch dein Hass, deine Feindschaft soll mich nicht bestimmen. Ich lasse mich nicht von deinem Handeln leiten. Gott deckt mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde - und an diesem Tisch gilt der Geist des Gastgebers und dieser Geist ist geprägt von Liebe.

Wobei dann gern gesagt wird: beten für den Feind will ich schon, aber ihn lieben, das kann ich nicht. Steht uns da vielleicht ein zu enges Bild von Liebe im Weg? Liebe für den Lebenspartner, für die Kinder und Angehörigen, die ist gewiss anders als die Liebe zum Feind. Das ist gewisslich wahr. Aber die grundsätzliche Liebe zum Menschen, die Anerkennung seines Gottes-Kind-Seins, die Zuwendung zu ihm, der letztlich nicht anders, nicht weniger oder mehr ist als ich selber, die darf ich auch dem Feind nicht versagen. Denn darin erweisen wir uns als Geschwister im Herrn.

Gott lässt seine Sonne scheinen auf böse wie auf gute Menschen, er lässt regnen auf alle, ob sie ihn ehren oder verachten. Gottes Zuwendung zum Menschen, seine Gnade, seine Barmherzigkeit, seine Liebe, sie gilt für alle. Das mag uns manchmal beschwerlich sein, weil wir diejenigen, die uns oder anderen böses getan haben, diese Zuwendung gerne verweigern würden. Aber zeigt uns Gott darin nicht gerade unsere begrenzte Menschlichkeit, dass wir unsere Sicht der Dinge immer an erste Stelle stellen. Ist der Mensch wie wir ihn sehen, wirklich so, wie wir ihn sehen? Es gibt doch auch andere Sichtweisen, letztlich bis dahin, dass Gott ihn noch einmal ganz anders ansieht als wir es tun. Und darin liegt für mich der Kern dieser Bergpredigt. Die Welt, die Menschen mit den Augen Gottes sehen. Den Menschen die Anerkennung zukommen lassen, die Gott ihnen zukommen lässt. Die eigene Sichtweise nicht zum Maßstab zu machen, sondern diesen anderen Maßstab anzuwenden, um so den Blick auf den anderen zu verändern.

Jesus verbindet seine Gedanken nicht damit, dass er - wie Paulus es sicher auch mit recht tut - sagt: dass wir damit auf dem Haupt des anderen glühende Kohlen sammeln, dass wir also mit unserem ganz anderen Verhalten, den Menschen nun grundlegend verändern und damit die Welt. Jesus stellt diese Forderungen absolut in den Raum und sagt: so leben Kinder Gottes, so sollen Menschen, die Kinder Gottes sind, behandelt werden. So willst ja letztlich auch du selber behandelt werden. Natürlich birgt da Risiken: der andere kann mir nochmal Schmerzen zufügen, er wird mit meinem Mantel abziehen und ich werde ohne etwas da stehen. Ich gebe viel Zeit dran, die mich auch viel kostet. Ich gebe ein Stück meiner menschlichen Ehre auf, ja vermutlich mache ich mich in der Welt auch lächerlich. Doch: Mein Reich ist nicht von dieser Welt, sagt Jesus. Das geht nicht auf in dieser Welt, was ich zu sagen habe. Und wir spüren ja, dass es seine Berechtigung hat, was Jesus uns in der Bergpredigt vor Augen stellt, sonst würde uns dieses „Schön“ nicht aus dem Herzen springen, sonst würde gerade dieser Text nicht zu den Kerntexten des christlichen Glaubens gehören, die so umstritten bedacht werden, wie kein anderer Text der Bibel.

Riskier was, Mensch - 7 Wochen diesen Jahres begleitet uns dieses Motto - hoffentlich noch länger, denn es ist ein ermutigendes Lebensmotto.

Wir waren und sind aufgerufen: Mitgefühl zu riskieren und Begegnungen. Neues sollen wir riskieren, ebenso wie Widerspruch. Niederlagen sollen wir riskieren, und auch das Unmögliche, das dem Zweifel so oft erliegt. Und Verletzungen gehören zum Leben als Risiko dazu, wenn wir im Vertrauen zu Gott das Leben gestalten. Wer sich selber als Kind Gottes sieht, weiß sich aber darin in allem gehalten, von dem der das Leben in seinen Händen hat. Er schenkt uns die Kraft zu solchem risiko-reichen Leben. Amen

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 78, 1-3+9+10

Psalm 43  724 

Eingangsliturgie

Gebet:

Gott, zu dir kommen wir, weil du uns den Blick in die Welt öffnen willst. Darum bitten wir dich: lass uns dein Wort hören, öffne uns für deine Sicht der Welt und der Menschen auf ihr. Lass uns als dein Kinder in dieser Welt leben, dazu führen uns durch deinen Geist. Das bitten wir …

Lesung: Röm 12, 9-21

Die  Liebe sei ohne Falsch.  Haßt das Böse, hängt dem Guten an.

Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich.  Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt.  Seid brennend im Geist.  Dient dem Herrn.

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal,  beharrlich im Gebet.

Nehmt euch der Nöte der Heiligen an.  Übt Gastfreundschaft.

Segnet, die euch verfolgen;  segnet, und flucht nicht.

Freut euch mit den Fröhlichen und  weint mit den Weinenden.

Seid  eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen.  Haltet euch nicht selbst für klug.

 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.  Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist's möglich, soviel an euch liegt, so  habt mit allen Menschen Frieden.

 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Vielmehr,  »wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.

Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Lied: 268,1-5

Lesung  Mt 5, 38-45

Glaubensbekenntnis

Lied 251, 1-4

Predigt

Lied L73  Lass mich ein Werkzeug (Grote)

Abkündigungen

Fürbittengebet

Vater im Himmel!

Es gibt so viel Gewalt auf der Erde. So viele Menschen müssen darunter leiden, jeden Tag. In den Kriegen, den Freiheitsbewegungen, aber auch im Alltag. Und viele Kinder sind davon betroffen. Wir bitten dich, Gott, dass mehr Menschen dem Weg der Gewalt entgegen treten, dass wir in dem, was wir tun, den Raum der Liebe und Menschlichkeit größer machen und so Schutz bieten für alle, die erniedrigt werden und daraus keine Auswege finden als allein in der Gewalt. So erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Das Böse in vielerlei Gestalt ist Teil unseres Lebens. Wir können ihm nur schwer entfliehen. So bitten wir dich: lass uns dem Bösen entgegenstehen, mit den Mitteln die du, Gott uns gezeigt hast. Wir können es nicht beseitigen, aber hilf uns, es zu vermindern, auf dass die Auswirkungen geringer werden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Wir beten für alle, die gegen Menschen handeln, die darin Macht und Befriedigung spüren, die darin unmenschliche Ziele verfolgen. Hilf ihnen, die Welt anders zu sehen, öffne Wege die zu anderem Verhalten führen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Wir bitten für den neuen Papst, dass er die Kirche als Ort lebendig macht, durch den die Armen Hilfe erfahren, durch den das Leben und Wirken Christi für die Menschen hilfreich sichtbar wird. Sei bei allen Christen, dass sie als deine Kinder ihr Leben in Hinwendung zu den Menschen gestalten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Vaterunser

Segen

163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
 Klein Elbe

17. 3. 2013

Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote