Der
TURM ist wahrscheinlich in das 12.
Jahrhundert zu datieren. Zusammen mit einem sich östlich anschließenden
Kirchenschiff von seinerzeit ca. 8 m Länge diente er nicht nur gottesdienstlichen
Zwecken, sondern auch als ,,Bauernburg". Die Bevölkerung fand hier
samt Kleinvieh Schutz in Zeiten der Bedrohung. |
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Die fensterlose
VORHALLE im Süden
wurde vermutlich im 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) eilig erbaut.
Die wehrhafte spitzbogige, mit einem Klopfer bestückte Außentür
konnte durch einen Balken verriegelt werden. Reste sind noch vorhanden.
Über der Treppe ist ein jetzt vermauertes romanisches Fenster zu sehen,
darüber auch das Hohlkehlgesims aus der gleichen Zeit. Der Raum diente
auch als ,,Leichhaus". |
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Im Jahre 1698 wurde das
KIRCHENSCHIFF um
ca. 13 m nach Osten hin verlängert. Die Breite dieses Anbaus ist geringer
als die des Turmes, der übrigens schon 1698 durch Eisenklammern gefestigt
wurde. Etwa im Jahre 1700 erfolgte die Innenausstattung. Groß Elbe
hatte zu jener Zeit etwa 300 Einwohner. |
Die FENSTER waren 1698 sehr schmal gebaut
worden und ließen wegen breiter Holzrahmen wenig Licht in den Raum.
Daran erinnert nur noch das Sakristeifenster im Osten. Die anderen wurden
1864 vergrößert, mit Sandstein eingefasst und mit eisernen
Streben versehen. Neu entstand dabei das kleine Fenster nördlich der
Orgel.
Der Innenraum der Kirche wurde 1953 renoviert. Im Jahr 1993 wurde das
Außenmauerwerk mit einem Schlämmputz aus Muschelkalk geschützt.
Im Innenraum wurde der morsche Holzfußboden entfernt und das gut
erhaltene Natursteinpflaster aus Flußkieseln
saniert. Die Kirche
bekam eine Warmwasserheizung. Der Innenbereich der Kirche erhielt weitgehend
seine Ursprüngliche Farbgestaltung wieder. Der Kostbare Bilderschmuck
wurde gereinigt und restauriert.
Im Jahr 2002 konnten wir die Restauration der Kanzelwand vollenden und damit die
Restauration der Kirche abschließen. Den
Werdegang können Sie hier
sehen.
KUNST IN ST. MARTIN
Einige wenige Gegenstände stammen aus der Zeit vor der Reformation
(1517/1568). Dazu gehört die ROMANISCHE ALTARPLATTEaus
Sandstein, die beim Bau des neuen Altars wieder verwendet wurde. Die Platte
verfügt über eine Reliquiengruft samt Abdeckung.
Die KANZELWAND über dem Altar ist
auf. das Jahr 1700 datiert. Sie soll von dem Goslarer Bildhauer Lessen
stammen. Die reich geschnitzte Wand hat insgesamt eine Kreuzform. Das
Abendmahlsbild
hinter dem Altar ist einem Stich von Sadeler (+1600) nachempfunden, der
seinerseits ein Werk von Candidus (*1548) zur Vorlage hatte. Es zeigt den
Moment der Verratsankündigung.
Der Schalldeckel trägt als Umschrift ein Zitat aus Jesaja
58,1. Innen schwebt eine Taube als Zeichen des Heiligen Geistes. Das Wappen
links - drei Balken und Schlüssel - weist auf die Familie Schlüter,
das Wappen rechts - drei Wolfsangeln - auf die Familie Köhler.
Über dem Schalldeckel stehen sechs Engel mit den Leidenswerkzeugen,
darüber der auferstandene Christus mit Kreuz.
Die Emporenbrüstungen tragen TAFELBILDER
aus der Zeit um 1698/1700. Bis 1902 reichte die nördliche Empore wesentlich
weiter nach Osten; entsprechende Spuren sind in Wand und Fußboden
(1864 verlegte Sollinger Platten) noch zu erkennen. Von hier führte
eine Treppe auf die Empore.
Im einzelnen zeigen die 30 Gemälde - beginnend im Chorraum Südseite
-
1 - 2 die Reformatoren Melanchthon und
Luther
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3 - 6 die "Großen Propheten" des Alten Testaments: Jesaja, Jeremia,
Hesekiel und Daniel
-
7-10 die Evangelisten des Neuen Testaments: Matthäus, Markus, Lukas
und Johannes
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11-21 elf Jünger Jesu bzw. Apostel: Jakobus der Altere (Zebedäus),
Jakobus der Jüngere (Alphäus), Judas Thaddäus, Philippus,
Simon ,,der Eiferer", Matthäus (Levi), Andreas (Bruder des Petrus),
Johannes (Zebedäus), Thomas, Paulus, Petrus;
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22-30 neun biblische Historienbilder. Sie zeigen - beginnend im Chorraum
Nordseite -: zwei Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu, nämlich
die Verkündigung an Maria und die
Anbetung der
Hirten, sechs Passionsszenen: Gethsemane, Christus vor Kaiphas, Geißelung, Dornenkrönung,
Kreuz und Grablegung; das Bild neben Petrus zeigt die Auferstehung Jesu.
Der Taufsein ist in Groß Elbe ein
Taufengel, den
zumeist die Väter von der Decke herabholen, um so symbolisch Gottes Engel für
die Kinder herabzuziehen. Seit wann es den Engel in Groß Elbe gibt, weiß man
nicht. Er wurde 1953 auf dem Kirchboden gefunden und dann wieder aufgehängt.
Die
ORGEL wurde
im Jahre 1799 von Almes aus Hildesheim erbaut. Alle Pfeifen sind original
erhalten. Eine Besonderheit bei dieser Denkmalsorgel sind die beiden
Zimbelsterne.
1998 wurde die Orgel durch die Fa. Graefe, Groß Bülten restauriert.
Die
MARTINSFIGUR
in der Nische des Vorraumes erinnert daran, daß die Groß Elber
Kirche einst dem Hlg. Martin von Tours geweiht wurde. Die Statue wurde
von Jakob Oberhollenzer aus dem Anrntal in Südtirol speziell angefertigt.
Eine Schülerin dieses Bildhauers, Ruth Niederkofler, fertigte 1987
die beiden
HOCHZEITSSTÜHLE
an. Sie zeigen Adam und Eva im Paradies.
Der bis auf den Erdboden reichende Glockenstuhl im Turm trägt zwei
GLOCKEN.
Die
kleinere wurde 1805 von Wicke in Braunschweig gegossen. Ihre originelle Inschrift
erinnert daran, dass sich Klein Elbe seinerzeit weigerte, die neue
Glocke mit zu finanzieren - wie bereits 1799 die Orgel! Wortlaut:
Hier die Gemeinde machte mich zum Geschenk, doch mit dem bedeuten,
dass man mich sollte lediglich für Gross und nicht Klein-Elbe läuten.
Die große Klanggußglocke wurde 1962 in der Wilhelmshütte
Bockenem gegossen.
Zu Pfingsten 2004 konnte der
Gebetsleuchter im Eingangsbereich der Kirche
aufgestellt werden.
Seit September 2005
hängt die Grabplatte Köhler, der nach dem dreißigjährigen
Krieg in Elbe tätig war. Leider ist der Text der Inschrift nicht zu einem
sinnvollen Text zusammenzusetzen.
JAHRESZAHLEN
AN UND IN DER KIRCHE:
1132 Tafel an der Südseite des Turmes zur
Erinnerung an die 850-Jahr-Feier von Groß Elbe, die 1982 unter
Beteiligung der gesamten Bevölkerung auf dem Kirchplatz eröffnet
wurde. Ebenfalls 1982 wurde die Martinsfigur gestiftet und in eine
schon früher vorhandene Nische gestellt.
1574 Jahreszahl im Pfeiler des doppelbogigen
Turmdurchbruchs innen. Sie weist auf die endgültige Einweihung des
damals noch kleinen Gebäudes als evangelische Kirche hin. Sie
erfolgte nach der Reformation durch den braunschweigischen Herzog
Julius 1568 durch Pastor Henning Burgdorf "HBP" Dahinter stehen die
Buchstaben "PRO" Wir wissen nicht, was es bedeutet. Sie vielleicht? Teilen
Sie es uns bitte mit.
1633 ebenfalls am Pfeiler, etwas tiefer. Diese
Zahl erinnert wohl an die eilige Erbauung der südlichen Vorhalle im
30-jährigen Krieg.
1698 Zwei Tafeln außen am Chor wurden
anlässlich der Vergrößerung des Gebäudes angebracht. Pastor Johann
Heinrich Köhler hatte dafür gesorgt, daß das ,,fast gantz
zerfallene gotteshauß sampt dem Turm zur Ehre Gottes repariert und
auch größer gebaut" wurde. Die Spenden dafür sammelte der
Schulmeister Fricke.
1700 als römische Ziffern (MDCC) oben in der
Kanzelwand zu Füßen der Christusfigur. Der Einbau dieses prächtigen
barocken Schnitzwerkes vollendete die Renovierung.
1994 Abschluß der großen Innenrenovierung. Am
Pfeiler stehen die Initialen "HLP" = Helmut Liersch,
Pfarrer. Dies war ein Dankeschön der Gemeinde (in Absprache mit der
Denkmalpflege) für den langjährigen Einsatz für die Gemeinde, die
Renovierung der Kirche und den äußerst gelungenen Umbau des
Gemeindehauses.