St. Martinskirche Groß Elbe

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St. Martin Groß Elbe
die barocke Bauernkirche

KanzelwandDie Groß Elber St. Martinskirche überrascht durch die üppige barocke Innenausstattung, die vor allem in der Kanzelwand zum Ausdruck kommt. Diese wurde von 1998-2002 restauriert. Sie sehen eine ausführliche Fotodokumentation vieler Einzelheiten.
Unser Dankeschönfest - 2002 ist ebenfalls dokumentiert.

Predigt zum geistlichen Aufbau der Kirche

Trotz des einheitlich wirkenden Inneren lassen sich aber mehrere Bauphasen unterscheiden:

Grundriß St. Martin - 1. AbschnittDer TURM ist wahrscheinlich in das 12. Jahrhundert zu datieren. Zusammen mit einem sich östlich anschließenden Kirchenschiff von seinerzeit ca. 8 m Länge diente er nicht nur gottesdienstlichen Zwecken, sondern auch als ,,Bauernburg". Die Bevölkerung fand hier samt Kleinvieh Schutz in Zeiten der Bedrohung.

Grundriß St. Martin - 2. AbschnittDie fensterlose VORHALLE im Süden wurde vermutlich im 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) eilig erbaut. Die wehrhafte spitzbogige, mit einem Klopfer bestückte Außentür konnte durch einen Balken verriegelt werden. Reste sind noch vorhanden. Über der Treppe ist ein jetzt vermauertes romanisches Fenster zu sehen, darüber auch das Hohlkehlgesims aus der gleichen Zeit. Der Raum diente auch als ,,Leichhaus".

Grundriß St. Martin - 3. AbschnittIm Jahre 1698 wurde das KIRCHENSCHIFF um ca. 13 m nach Osten hin verlängert. Die Breite dieses Anbaus ist geringer als die des Turmes, der übrigens schon 1698 durch Eisenklammern gefestigt wurde. Etwa im Jahre 1700 erfolgte die Innenausstattung. Groß Elbe hatte zu jener Zeit etwa 300 Einwohner.

Die FENSTER waren 1698 sehr schmal gebaut worden und ließen wegen breiter Holzrahmen wenig Licht in den Raum. Daran erinnert nur noch das Sakristeifenster im Osten. Die anderen wurden 1864 vergrößert, mit Sandstein eingefasst und mit eisernen Streben versehen. Neu entstand dabei das kleine Fenster nördlich der Orgel.

Der Innenraum der Kirche wurde 1953 renoviert. Im Jahr 1993 wurde das Außenmauerwerk mit einem Schlämmputz aus Muschelkalk geschützt. Im Innenraum wurde der morsche Holzfußboden entfernt und das gut erhaltene Natursteinpflaster aus Flußkieseln saniert. Die Kirche bekam eine Warmwasserheizung. Der Innenbereich der Kirche erhielt weitgehend seine Ursprüngliche Farbgestaltung wieder. Der Kostbare Bilderschmuck wurde gereinigt und restauriert.
Im Jahr 2002 konnten wir die Restauration der Kanzelwand vollenden und damit die Restauration der Kirche abschließen. Den Werdegang können Sie
hier sehen.

KUNST IN ST. MARTIN 

Einige wenige Gegenstände stammen aus der Zeit vor der Reformation (1517/1568). Dazu gehört die ROMANISCHE ALTARPLATTEaus Sandstein, die beim Bau des neuen Altars wieder verwendet wurde. Die Platte verfügt über eine Reliquiengruft samt Abdeckung.

Die
KANZELWAND über dem Altar ist auf. das Jahr 1700 datiert. Sie soll von dem Goslarer Bildhauer Lessen stammen. Die reich geschnitzte Wand hat insgesamt eine Kreuzform. Das Abendmahlsbild hinter dem Altar ist einem Stich von Sadeler (+1600) nachempfunden, der seinerseits ein Werk von Candidus (*1548) zur Vorlage hatte. Es zeigt den Moment der Verratsankündigung.
Der Schalldeckel trägt als Umschrift ein Zitat aus Jesaja 58,1. Innen schwebt eine Taube als Zeichen des Heiligen Geistes. Das Wappen links - drei Balken und Schlüssel - weist auf die Familie Schlüter, das Wappen rechts - drei Wolfsangeln - auf die Familie Köhler.
Über dem Schalldeckel stehen sechs Engel mit den Leidenswerkzeugen, darüber der auferstandene Christus mit Kreuz.

Die Emporenbrüstungen tragen
TAFELBILDER aus der Zeit um 1698/1700. Bis 1902 reichte die nördliche Empore wesentlich weiter nach Osten; entsprechende Spuren sind in Wand und Fußboden (1864 verlegte Sollinger Platten) noch zu erkennen. Von hier führte eine Treppe auf die Empore.
Im einzelnen zeigen die 30 Gemälde - beginnend im Chorraum Südseite

  • 1 - 2 die Reformatoren Melanchthon und Luther

  • 3 - 6 die "Großen Propheten" des Alten Testaments: Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel

  • 7-10 die Evangelisten des Neuen Testaments: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes

  • 11-21 elf Jünger Jesu bzw. Apostel: Jakobus der Altere (Zebedäus), Jakobus der Jüngere (Alphäus), Judas Thaddäus, Philippus, Simon ,,der Eiferer", Matthäus (Levi), Andreas (Bruder des Petrus), Johannes (Zebedäus), Thomas, Paulus, Petrus;

  •  22-30 neun biblische Historienbilder. Sie zeigen - beginnend im Chorraum Nordseite -: zwei Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu, nämlich die Verkündigung an Maria und die Anbetung der Hirten, sechs Passionsszenen:  Gethsemane, Christus vor Kaiphas, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuz und Grablegung; das Bild neben Petrus zeigt die Auferstehung Jesu.

Der Taufsein ist in Groß Elbe ein Taufengel, den zumeist die Väter von der Decke herabholen, um so symbolisch Gottes Engel für die Kinder herabzuziehen. Seit wann es den Engel in Groß Elbe gibt, weiß man nicht. Er wurde 1953 auf dem Kirchboden gefunden und dann wieder aufgehängt.

Die ORGEL wurde im Jahre 1799 von Almes aus Hildesheim erbaut. Alle Pfeifen sind original erhalten. Eine Besonderheit bei dieser Denkmalsorgel sind die beiden Zimbelsterne. 1998 wurde die Orgel durch die Fa. Graefe, Groß Bülten restauriert.

Die MARTINSFIGUR in der Nische des Vorraumes erinnert daran, daß die Groß Elber Kirche einst dem Hlg. Martin von Tours geweiht wurde. Die Statue wurde von Jakob Oberhollenzer aus dem Anrntal in Südtirol speziell angefertigt.

Eine Schülerin dieses Bildhauers, Ruth Niederkofler, fertigte 1987 die beiden HOCHZEITSSTÜHLE an. Sie zeigen Adam und Eva im Paradies.

Der bis auf den Erdboden reichende Glockenstuhl im Turm trägt zwei GLOCKEN. Die kleinere wurde 1805 von Wicke in Braunschweig gegossen. Ihre originelle Inschrift erinnert daran, dass sich Klein Elbe seinerzeit weigerte, die neue Glocke mit zu finanzieren - wie bereits 1799 die Orgel! Wortlaut:
Hier die Gemeinde machte mich zum Geschenk, doch mit dem bedeuten, dass man mich sollte lediglich für Gross und nicht Klein-Elbe läuten.
Die große Klanggußglocke wurde 1962 in der Wilhelmshütte Bockenem gegossen.

Zu Pfingsten 2004 konnte der Gebetsleuchter im Eingangsbereich der Kirche aufgestellt werden.

Seit September 2005 hängt die Grabplatte Köhler, der nach dem dreißigjährigen Krieg in Elbe tätig war. Leider ist der Text der Inschrift nicht zu einem sinnvollen Text zusammenzusetzen.

JAHRESZAHLEN AN UND IN DER KIRCHE:

1132 Tafel an der Südseite des Turmes zur Erinnerung an die 850-Jahr-Feier von Groß Elbe, die 1982 unter Beteiligung der gesamten Bevölkerung auf dem Kirchplatz eröffnet wurde. Ebenfalls 1982 wurde die Martinsfigur gestiftet und in eine schon früher vorhandene Nische gestellt.
1574 Jahreszahl im Pfeiler des doppelbogigen Turmdurchbruchs innen. Sie weist auf die endgültige Einweihung des damals noch kleinen Gebäudes als evangelische Kirche hin. Sie erfolgte nach der Reformation durch den braunschweigischen Herzog Julius 1568 durch Pastor Henning Burgdorf "HBP" Dahinter stehen die Buchstaben "PRO" Wir wissen nicht, was es bedeutet. Sie vielleicht? Teilen Sie es uns bitte mit.
1633 ebenfalls am Pfeiler, etwas tiefer. Diese Zahl erinnert wohl an die eilige Erbauung der südlichen Vorhalle im 30-jährigen Krieg.
1698 Zwei Tafeln außen am Chor wurden anlässlich der Vergrößerung des Gebäudes angebracht. Pastor Johann Heinrich Köhler hatte dafür gesorgt, daß das ,,fast gantz zerfallene gotteshauß sampt dem Turm zur Ehre Gottes repariert und auch größer gebaut" wurde. Die Spenden dafür sammelte der Schulmeister Fricke.
1700 als römische Ziffern (MDCC) oben in der Kanzelwand zu Füßen der Christusfigur. Der Einbau dieses prächtigen barocken Schnitzwerkes vollendete die Renovierung.
1994 Abschluß der großen Innenrenovierung. Am Pfeiler stehen die Initialen "HLP" = Helmut Liersch, Pfarrer. Dies war ein Dankeschön der Gemeinde (in Absprache mit der Denkmalpflege) für den langjährigen Einsatz für die Gemeinde, die Renovierung der Kirche und den äußerst gelungenen Umbau des Gemeindehauses.

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