Gemeindebrief

Nr. 98

 
Gemeinde-briefe
Nr. 80
Nr. 81
Nr. 82
Nr. 83
Nr. 84
Nr. 85
Nr. 86
Nr. 87
Nr. 88
Nr. 89
Nr. 90
Nr. 91
Nr. 92
Nr. 93
Nr. 94
Nr. 95
Nr. 96
Nr. 97
Nr. 99
Nr. 100
Nr. 101
Nr. 102
Nr. 103
Nr. 104
Nr. 105
Nr. 106
Nr. 107
Nr. 101
Nr. 102
Nr. 103
Nr. 104
Nr. 105
Nr. 106
Nr. 107

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Wenn die Glocken läuten

Ungewohnt ist, wenn jetzt in unseren Dörfern um 11 Uhr die Glocken läuten. Die Dörfler wissen: es ist Erntezeit. Vom Einbringen des ersten Brotkorns die ganze Erntezeit hindurch bis zum letzten Fuder läuten die Glocken den "Ernteschauer", als Dank für die Ernte und als Bitte, dass man das Getreide ohne Verlust in die Scheunen einfahren möge.
Wir haben uns daran gewöhnt, dass zu bestimmten Zeiten regelmäßig geläutet wird, so wie es jeder Kirchenvorstand beschlossen hat. Glocken läuten am Vorabend den Sonntag ein und sie rufen zu den Gottesdiensten. Sie läuten auch zu anderen kirchlichen Feiern wie Hochzeiten und Beerdigungen. Doch wir horchen auf, wenn morgens um 8 Uhr die Glocke zu hören ist: wieder ist jemand aus unserer Gemeinde gestorben. Wer mag es wohl diesmal sein?
Es ist schon ein Zauber um diese großen Klangkörper Glocke. Erstaunlich, dass wir so wenig darüber wissen, obwohl ihr Klang und ihre Form uns von Kindheit an vertraut sind. Aber woher die Glocke kommt, wie sie "erfunden" wurde, wissen nur die wenigsten. Zuerst hat wohl die Glocke im 5. Jahrhundert von Asien kommend in Klöstern Einzug gehalten, um die Mönche zu ihrem regelmäßigen Gebet zu rufen. Ab dem 7. Jahrhundert bereits kam sie in die Kirchen: sie rief die verstreut wohnende christliche Gemeinde zum gemeinsamen Gebet. Im Mittelalter wurden die Zeiten für Arbeit, Gebet, Freizeit durch Glockenläuten angezeigt, denn eine Uhr - für uns heute selbstverständlich - gab es für die Menschen noch nicht. Wenn die Totenglocke läutete, beteten viele für den Verstorbenen ein Vaterunser. Beim Ertönen der Marktglocke durften die Marktfrauen mit dem Verkauf beginnen. Und ein Kuriosum: Wenn die Bierglocke schlug, gab es im Wirtshaus nichts mehr zu trinken!
Ein schlimmes Kapitel ist der Zusammenhang zwischen Glocken und Kanonen. Es gehört zu den unrühmlichen Kapiteln der Glockengeschichte, dass in Kriegszeiten Glocken zu Kanonen umgeschmolzen wurden. Denn die Bronze der Glocke eignet sich auch gut für Geschützrohre. Aber es gibt auch Beispiele dafür, dass aus Kanonen Glocken gegossen wurden. So die Kaiserglocke im Kölner Dom von 1873 oder das Naumburger Domgeläut, das aus 14 Kanonen gegossen wurde. Die bis heute größte freihängende Glocke der Welt ist die St. Petersglocke im Kölner Dom ( "de decke Pitter" ) mit einem Durchmesser von 3,22 m und einem Gewicht von 24 000 kg.
Auch die Groß Elber Glocken blieben von den Kriegen des 20.Jhd. nicht verschont. 1917 wurde die große Glocke in einer Kriegsgebetsstunde "verabschiedet" und in einer Kanonenfabrik eingeschmolzen. Erst 1931 kam eine neue Glocke zurück und wurde unter großer Anteilnahme der Dorfbevölkerung wieder hochgezogen. Doch nicht lange konnte sie die Menschen zum Gottesdienst rufen. 1942, im dritten Jahr des zweiten Weltkrieges, wurde sie erneut beschlagnahmt und als Kanone eingeschmolzen. Es dauerte 20 Jahre, bis mit einer neuen Glocke 1962 das Geläut vervollständigt wurde.
Die eingegossene Inschrift dieser Glocke macht deutlich, dass Glocken zum Lobe Gottes erklingen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"
Kurios ist die Inschrift der kleinen Glocke von Groß Elbe, die 1805 von der hiesigen Gemeinde gespendet wurde:
"Hier die Gemeinde machte mich zum Geschenk, doch mit den Bedeuten, dass man mich solte ledichlich für Gross und nicht Klein Elbe läuten".
Das klingt weniger fromm, und der Hintergrund ist, dass der damalige Pastor erbost war, weil sich Klein Elbe nicht an der Finanzierung dieser Glocke beteiligen wollte. So schwingt dieser Spruch bei jedem Läuten der kleinen Glocke bis zum heutigen Tage mit. Hätten Sie das gewusst?
Rudolf Brinschwitz
 

Vorherige Seite

nächste Seite

   

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote