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RUDOLF BRINSCHWITZ
- DIE WELT BEGREIFEN
Rudolf Brinschwitz? Ist das nicht der, der im
Gemeindebrief immer etwas schreibt? Ja, das ist er. In den letzten Jahren
hat er 26 Porträts für den Gemeindebrief geschrieben. Grund genug ihn auch
einmal selber im Gemeindebrief etwas näher vorzustellen.
Von Beruf her ist der 70jährige Lehrer. Vielleicht ist dies der
Hintergrund dafür, dass ich während des Gespräches mit ihm immer mal
wieder an die Feuerzangenbowle erinnert wurde. Er hat ein bisschen was von
Schnauz, von Bommel und von Pfeiffer, wenn er auch über sich selbst
lachend von seinem Leben erzählt. Es war ein Leben mit vielen Facetten, in
dem vor allem die Offenheit, die Neugierde, das niemals Festgelegt-Sein
und die daraus entstehende Toleranz im Mittelpunkt standen und stehen.
Aufgewachsen in der schlesischen Großstadt Breslau musste er als
Neunjähriger schon den Verlust des Vaters hinnehmen und Mitverantwortung
für die vier Geschwister übernehmen. Dabei war er gewieft und
erfindungsreich und nahm seine Aufgabe ernst. Als guter Schüler konnte er
auch das Gymnasium besuchen.
Nach dem Krieg wurde die Gegend um Bad Gandersheim seine Heimat und
Wirkungsstätte. In der eingleisigen Volksschule wurde ihm gesagt, dort
gehöre er nicht hin. Es steckte mehr in ihm. Und so wurde alles probiert,
um die angefangene Schulausbildung zuende zu führen.
“Nicht festgelegt” habe ich geschrieben. So war es auch mit der
Ausrichtung des Berufes. Die Lust zu manchem wäre da gewesen, doch die
familiären Umstände führten dazu, dass eher ein schneller
Ausbildungsabschluss angestrebt wurde. So wurde Rudolf Brinschwitz
Volksschullehrer, wobei seine Interessen den älteren Schülern galten.
Geschichte und Mathematik, Musik und Sport waren die Schwerpunkte.
Worum es dem Lehrer Brinschwitz ging, kann man mit zwei Worten
beschreiben: Menschenbildung und Begreifen. Es ging ihm nicht nur darum,
dass Schüler Wissen in sich anhäufen, sondern dass sie mit Herz und
Verstand begreifen, warum etwas so ist, wie es ist. Interesse am Fach
wollte er wecken, Hintergründe aufdecken, die Menschlichkeit historischer
Entscheidungen nahe bringen und so Welt- und Menschenverständnis
vermitteln. Und daneben stand die Förderung der sozialen, menschlichen
Kompetenz der Schüler, die er vor allem in Arbeitsgemeinschaften förderte.
Schulchor, Sportwettkämpfe, Theater und vieles mehr gehörten zu seinem
Tun.
Dies gab er auch weiter, als er viele Jahre als Seminarleiter für
Geschichte und Pädagogik junge Lehrer ausbildete oder später als
Schulleiter der Gottfried-Linke-Realschule in Lebenstedt Verantwortung
übernahm und Schule gestaltete.
Offenheit und Neugierde gehören auch in den privaten Bereich. An erster
Stelle stehen die Reisen. Als junger Mensch ging es mit dem Fahrrad quer
durch Deutschland, seit vielen Jahren sieht man immer wieder ein Wohnmobil
vor der Haustür stehen, das davon zeugt, dass er wieder einmal mit seiner
Frau in Deutschland oder Europa auf Reisen ist. Zusammen mit Helmut
Liersch und anderen fuhr er mit, wenn es darum ging, biblische Länder des
Nahen Ostens zu bereisen. Dabei gehörte die Vorbereitung auf das Kommende
immer mit zu diesen Reisen, ebenso wie die Neugierde zu sehen, wie
Menschen leben, wie sie ihr religiöses Leben praktizieren, wie sie ihr
Leben meistern. Auf den Reisen hat er gelernt zu sehen, dass menschliches
Leben vielfältig ist, dass man bestimmte Lebensformen nicht
verabsolutieren darf. Toleranz gegenüber den Lebensformen anderer,
gleichzeitig selber ein festes Lebensbild haben, das zeichnet Rudolf
Brinschwitz aus.
Mit verschmitztem Lächeln erzählt er von diesen Reisen, wie er z.B. in
einem Camp in Afrika in unmittelbarer Nähe zu Giraffen, Elefanten und
Löwen und anderen Tieren genächtigt hat. Oder als sie im Jemen den mit
Kalaschnikows bewaffneten Männern farbige Reiseführer zeigten und dafür
auch mal mit dem Maschinengewehr hantieren durften. Indien mit seinen
Schönheiten und so unterschiedlichen religiösen Prägungen ist eines seiner
nächsten Reiseziele.
Musik gehört zu seinem Leben. Er spielt selber auf einem elektronischen
Klavier und hat fast sieben Jahre den Kirchenchor nicht nur gesanglich
unterstützt, sondern auch selber geleitet. Der Gemeindebrief gehört seit
dem Weggang von Helmut Liersch zu den Aufgaben, die er gerne für sich
übernommen hat. Es ist ihm wichtig, dass es ein Organ gibt, in dem auch
andere als die allgemeinen Themen zur Sprache kommen. Religiöse Themen
werden sonst kaum wahrgenommen, hier finden sie ihren Platz. Was die
Gestaltung des Gemeindebriefes angeht, ist er ein penibler Arbeiter, der
auch auf Kleinigkeiten schaut und gleichzeitig das Gesamtbild des Briefes
immer vor Augen hat. Ganz abgesehen davon, dass er für die Rechtschreibung
und Zeichensetzung in unserem Gemeindebrief zuständig ist.
Zu seinem privaten Leben gehören seine Ehefrau Heide und die Setterhündin
Bileis. Paul das jüngste Enkelkind sorgt einmal die Woche für Aufregung im
Hause Brinschwitz, wenn Oma/Opatag ist. Und auch den anderen neun
Enkelkindern ist er ein wichtiger Gesprächpartner, der die Entwicklung
aller Kinder mit großem Interesse begleitet und in vielen Gesprächen
gewiss sehr liebevoll fördert. Familie, Reisen, Lesen, das bedeutet nicht
immer Ruhe im Ruhestand, aber es sind die wichtigsten Bereiche des Lebens
des Porträtierten.
Wir wünschen Ihnen, lieber Herr Brinschwitz, dass alle diese Bereiche
Ihnen noch lange Freude bereiten und sie für sich und andere daraus
Lebenskraft ziehen.
Jürgen Grote
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