|
IHR SOLLT EIN SEGEN SEIN
Man kann schlecht einen objektiven, das ganze Geschehen
beschreibenden Bericht über den Kirchentag abgeben. Aber einige
persönlichen Eindrücke vom Kirchentag geben vielleicht einen ganz kleinen
Einblick ins das Geschehen Ende Mai in Berlin.
Der Kirchentag hat sich präsentiert als ein Kirchentag, auf dem die
unterschiedlichen Positionen der Konfessionen immer wieder angesprochen
wurden, aber letztlich doch nicht in ihrer trennenden Bedeutung
hervortraten. In den meisten Veranstaltungen, in denen ich war, spielte
die Konfession überhaupt keine Rolle. Es wurde über die Sache gesprochen
und die jeweiligen Gedanken dazu ausgetauscht, gleich ob evangelisch oder
katholisch. Darin wurde mir deutlich, dass die Unterschiede im Alltag sehr
viel weniger eine Rolle spielen, als sie in den Medien an einigen Punkten
herausgehoben wurden.
Natürlich wurde es bei der Feier des Abendmahles deutlich, dass Trennung
herrscht. In den Medien wurde ja ein Abendmahl besonders hervorgehoben,
das bewusst provokativ gefeiert wurde. Ich selber habe es am Samstagabend
erlebt in einem Abendmahlsgottesdienst, dass ein katholischer Priester
während der Feier sehr einsam im Chorraum der Kirche saß, während wir
miteinander Brot und Wein teilten. Das tat mir sehr weh und ich habe ihm
dies später auch gesagt. Seine Antwort war: „Lassen sie mal, ich fühle
mich auch so sehr mit ihnen verbunden.“ Trennung ist spürbar, aber
letztlich dann doch nicht so, dass diese Trennung im Abendmahl die
Gemeinschaft im Glauben verhindert.
Ein sehr schönes Erlebnis hatten wir an einem Abend in der
Deutschlandhalle. Thematisch ging es um eine liturgische Feier des
Ostergeschehens. 5000 Menschen saßen da zusammen. Eines der ersten Lieder,
die diese 5000 Menschen miteinander sangen, war das Lied: Großer Gott, wir
loben dich. Es war ein erhebendes, Gänsehaut verursachendes Erlebnis, 5000
Menschen vom ersten Ton an dieses Lied singen zu hören.
Oft waren die Messehallen auch überfüllt. Ein Abend mit Eugen Drewermann,
der über das Vaterunser referieren sollte, füllte bereits eine Stunde vor
Beginn eine Halle mit 2000 Menschen, so dass eine weitere Halle genutzt
werden musste, die ebenfalls mit 2000 Menschen gefüllt war. Der Vortrag
hat sich für alle gelohnt.
Samstagnachmittag in einer modernen katholischen Kirche. Programmthema:
Reise durch die Liturgie. Ein wunderschöner Raum. Zwei junge Musiker
füllen zwei papierkorbähnliche Eimer mit Wasser. Dann kommen sie mit
Regenrohren, die einer Orgelpfeife gleichen. Sie stecken diese in die
Eimer und bewegen sie rhythmisch auf und nieder. Und die Kirche wird
erfüllt mit herrlichen Tönen. Für mich ein Erlebnis ganz besonderer Art.
Das Instrument wird „Wasserstichorgel“ genannt und ich war hoch erfreut,
diese am Abschlussgottesdienst noch einmal hören zu dürfen.
Abschlussgottesdienst: über 200.000 Menschen vor dem Reichstagsgebäude
feiern im sonnigen Berlin gemeinsam Gottesdienst. Musik und Inhalte dieses
Gottesdienstes, sowie einige Aktionen darin haben die Menschen auf ganz
besondere Weise geistlich miteinander verbunden. Es war ein Erlebnis ganz
besonderer Art.
2005 ist evangelischer Kirchentag in Hannover. Er wird wieder in anderes
Gepräge bekommen. Und auch ein ökumenischer Kirchentag wird wieder kommen.
Jürgen Grote
|