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Paulus
- ein Streiter Christi
Einer der beeindruckendsten und weitreichendsten
Persönlichkeiten der Bibel ist sicher der Apostel Paulus. Wir hatten ihn schon
einmal im Gemeindebrief Nr. 82 portraitiert. Er hat mit seinen theologischen
Gedanken, die er in seinen Briefen hinterlassen hat, viele wichtige
Entwicklungen der Kirche mit befördert. Die Reformation ging vor allem darauf
zurück, dass Martin Luther die Briefe des Paulus sehr intensiv studiert hat.
Von seinem Leben erzählt die Apostelgeschichte, die der Evangelist Lukas
geschrieben hat. Er versteht dieses Werk als eine Weiterführung seines
Evangeliums. Man sollte dieses Buch jedoch lesen auf dem Hintergrund, dass Lukas
ein sehr einträchtiges und harmonisches Bild der Entwicklung des Christentums im
ersten Jahrhundert schreiben wollte. Lukas erzählt in Kapitel 9 die Bekehrung
des Paulus und anschließend von den drei Missionsreisen, die Paulus im heutigen
Griechenland und in der Türkei, sowie Syrien und angrenzende Staaten unternommen
hat. Es waren zum großen Teil sehr beschwerliche Reisen, auf denen er auch
häufig Widerstände zu überwinden hatte. Gefangennahmen, Folterungen, Krankheiten
und auch persönliche Verunglimpfungen musste er ertragen.
In seinen Briefen werden viele dieser Dinge nur angedeutet. Die Briefe des
Paulus sind die ältesten Zeugnisse der Christenheit. Sie sind gerichtet an
Gemeinden, die er auf seinen Reisen gegründet hat. Er geht darin auf Fragen ein,
die an ihn herangetragen wurden, oder auf Fehlentwicklungen, die er anprangert
und wo er aus christlicher Sicht Hilfe anbieten will. Aus diesem Grund sind die
Briefe auch so wertvoll. Und das waren sie schon zu Lebzeiten des Paulus. Die
Briefe
wurden im Gottesdienst der Adressaten vorgelesen, dann aber auch oft
abgeschrieben und so anderen christlichen Gemeinden weitergegeben, damit auch
diese davon profitieren können.
In der biblischen Reihenfolge der Paulusbriefe steht der Römerbrief an erster
Stelle, vermutlich aber ist es einer seiner letzten Briefe. Er stellt so etwas
wie ein Vermächtnis des Paulus dar. Gleich im ersten Kapitel macht er deutlich:
1, 16 u. 17: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft
Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die
Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche
kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte
wird aus Glauben leben.«
Dieser
Gedanke, dass der Mensch vor Gott nicht auf Grund seiner Leistung gerecht wird,
durchzieht. Dieser Gedanke prägte sein gesamtes theologisches Denken.
So schreibt er z.B. über die Taufe und das neue Leben im Kapitel 6, wie sehr
Taufe als Glaubensereignis den Menschen verändert. Ein Kapitel danach geht es um
die Frage, warum der Mensch anders handelt als er eigentlich will. In Kapitel
9-11 denkt Paulus über das Verhältnis von Christen und dem Volk Israel nach,
denn beide sehen sich als das Volk Gottes. Im Kapitel 12 beschreibt Paulus das
christliche Leben als ganzes als einen „lebendigen Gottesdienst“. Über die
Starken und Schwachen im Glauben lesen wir in Kapitel 14 und 15. Am Ende des
Römerbriefes lesen wir noch von ganz persönlichen Reiseabsichten des Paulus.
Mit den Korinthern hat Paulus oft Auseinandersetzungen gehabt. In zwei Briefen
wird dies deutlich. So verteidigt Paulus sein Apostelamt, das ihm abgesprochen
wird (1.Korinther 3). Wir hören etwas über die Ehelosigkeit, Gedanken die uns
heute doch etwas befremden. (1. Korinther 7). Die Freiheit des Christen wird am
Beispiel der Nutzung von Götzenopferfleisch veranschaulicht (1. Korinther 8).
Über das Abendmahl schreibt Paulus im 11. Kapitel des 1. Korintherbriefes. Dass
jeder mit seinen Gaben in der Kirche, die er den Leib Christi nennt, wichtig
ist, das lesen wir im 12. Kapitel. Und das 13. Kapitel haben wir schon häufig
bei Trauungen gehört: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber
die Liebe ist die größte unter ihnen.
Im 15. Kapitel lesen wir die paulinischen Gedanken über die Auferstehung.
Im zweiten Korintherbrief geht es um viele Vorwürfe gegen Paulus, aber auch um
das Verhältnis der christlichen Gemeinden anderswo zur Urgemeinde im Jerusalem.
Im Galaterbrief erfahren wir von einer heftigen Auseinandersetzung zwischen
Paulus und Petrus, in der es um die Wahrhaftigkeit des Glaubens geht. Ein
interessantes Beispiel dafür, wie Glaube das Alltagsleben der christlichen
Gemeinschaft durchdringt.
Hiermit soll es genug sein an Hinweisen zu den Briefen. Sie sind schon so recht
lang geraten. Die Briefe sind gewiss nicht einfach zu lesen, manchmal muss man
auch sehr viel mehr von den Lebensumständen damaliger Zeit wissen. Doch ich muss
sagen, dass Paulus wirklich jemand war, der als ehemaliger Christenverfolger
doch sehr intensiv den Glauben bedacht hat und uns wichtige Gedanken dieses
Glaubens in Worte gefasst hat.
Jürgen Grote
Foto:
Paulusfigur aus dem Groß Elber Altar
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