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Lesehilfe für die Bibel

Im letzten Gemeindebrief haben wir davon gesprochen, dass es schwierig ist, einen Anfang zu finden mit dem Lesen der Bibel. Es ist eben kein Roman, den man vorne anfängt zu lesen und am Ende mit einem entsprechenden Ende rechnen kann.
Wer die Bibel zur Hand nimmt, der nimmt eine ganze Bibliothek in die Hand.

Vier Bücher dieser Bibliothek beschreiben das Leben Jesu. Man nennt diese Bücher: Evangelium. Das ist griechisch und bedeutet: gute Botschaft. Diese Bücher enthalten die gute Botschaft von Jesus Christus.

Warum gibt es vier Bücher davon? Nun, es sind Bücher, die an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten entstanden sind. Das erste war das Markusevangelium (Abkürzung: Mk), das zweite in der Reihenfolge der Bibel. Das Mk ist etwa um 70 n.Chr. entstanden. Es beginnt nicht mit der Geburtsgeschichte Jesu, sondern mit dem Auftreten Jesu als Erwachsener. Es erzählt den Weg Jesu von Galiläa, der Heimat Jesu, bis nach Jerusalem. Gleich am Anfang steht auch schon das „Programm“ des Mk: Jesus ist der Sohn Gottes, er ist Bringer der guten Botschaft von Gott. Darum kehrt um, lasst Gott in euer Leben ein und vertraut Jesus. So könnte man es zusammenfassen. In vielen Geschichten macht Mk dies dann deutlich. Oft mit dem Hinweis darauf, dass man es nicht weiter erzählen solle. Dahinter steckt der Gedanke, dass Jesus erst in Kreuz und Auferstehung als Sohn Gottes wirklich erkannt wird. Wer daran glaubt, der versteht, dass Jesus sich in allem als Sohn Gottes erweist.

Das Mk-Evangelium war Vorbild für das Matthäus- (Abkürzung = Mt) und das Lukasevangelium (Lk). Beide kannten das Mk-Evangelium, haben vieles übernommen, aber sie hatten auch noch andere Quellen, aus denen sie für ihr Evangelium schöpfen konnten. Diese beiden Evangelien sind ca. 80 - 90 n. Chr. entstanden. Matthäus war jemand, der vermutlich in einer Gemeinde gewirkt hat, die vormals fest im jüdischen Glauben verwurzelt war. Man erkennt das daran, dass er sehr oft auf die Schriften des Alten Testamentes verweist. Matthäust beschreibt Jesus als den Messias (= erwarteten Retter Gottes für das Volkes Israel), der in Wort und Tat erweist, dass er von Gott kommt.

Im Gegensatz zu Matthäus ist der Schreiber des Lukasevangeliums jemand gewesen, der in einer heidnisch geprägten Umgebung gelebt hat. Alttestamentliche Zitate haben bei ihm kaum Bedeutung. Für ihn ist wichtig, dass Jesus von Anfang an als ein von Gottes Geist begleiteter Gesandter Gottes gesehen wird. Lukas versucht einen gewissen historischen Ablauf zu vermitteln, jedoch dürfen wir dies nicht mit heutigen Biographien vergleichen. Wie alle Evangelien ist auch das Lukas ein Zeugnis des Glaubens und keine Geschichtsschreibung.

Besonders deutlich wird dies am Johannesevangelium (Joh). Dieses Evangelium, das erst nach 100 n.Chr. entstanden ist also ca. 70 Jahre nach dem Tod Jesu -, ist geprägt davon, dass die Jesusgeschichten immer verpackte Theologie sind. In ihnen wird in Erzählung ausgedrückt, dass Jesus Gott in dieser Welt offenbart. Und im Hintergrund stehen verschiedene philosophische Gedankenwelten, auf die Johannes mit seinem Evangelium antwortet.

Es ist interessant zu vergleichen, wie unterschiedlich manche Geschichten von den jeweiligen Autoren dargestellt werden und welche Wahrheit sich hinter diesen Darstellungen verbirgt. Denn auch wenn wir die Geschichten ganz menschlich sehen können, sie enthalten eben doch die Wahrheit Gottes, die das Leben vertieft.

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken der Evangelien.


Jürgen Grote

 

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