EIN SCHÖNER TAG
Es
ist zu einer schönen Gewohnheit geworden, alljährlich, die Senioren
des Pfarrverbandes zu einer gemeinsamen Fahrt einzuladen. Dieser
Einladung waren 105 Gemeindeglieder gefolgt.
Mit zwei Bussen wurde zügig das erste Etappenziel "Königslutter"
angesteuert. Vorbei an Wolfenbüttel ging die Fahrt über
Schöppenstedt und Erkerode ins immergrüne Reitlingstal mit seinen
saftigen Wiesen.
Wir passieren die schön gelegene Waldgaststätte "Reitling",
Ausgangspunkt vieler schöner Wanderungen, und erreichten den
Tetzelstein, benannt nach dem Dominikanermänch Tetzel aus der Zeit
Martin Luthers.
Er soll 1517 im Dom zu Königslutter gewesen sein, um dort
Ablaßzettel zu verkaufen. Zettel, mit denen man sich von allen
Sündenstrafen freikaufen konnte. Auch Ritter Hagen soll für einen
geplanten Überfall einen solchen Zettel erworben haben. Denn Tetzel
sagte, der Ablaßzettel gelte auch für Sünden, die man in Zukunft
begehen werde.
Als Tetzel am nächsten Tag gen Schöppenstedt zog, wurde er von Hagen
überfallen und ihm wurde die Geldkassette geraubt und der Kopf
abgeschlagen. Hagen berief sich hierbei auf den Ablaßbrief. Der Mord
war ihm schon vorher vergeben.
Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Lutterquelle. Neben der
Rhumequelle die stärkste Quelle Norddeutschlands. Schüttung 20000 m³
pro Tag. Früher wurde Königslutter ausschießlich mit Wasser dieser
Quelle versorgt.
Wir haben Königslutter erreicht, eine Kleinstadt mit über 16000
Einwohnern in 17 Ortsteilen (u.a. Beienrode Pastor Geyer). Von
Fliegerangriffen ist Königslutter weitgehend verschont geblieben.
Der mittelalterliche Stadtkern mit seinen schönen alten
Fachwerkhäusern blieb somit erhalten.
24 Senioren unterwegs
Über die Grenzen hinweg war Königslutter im 17. und 18. Jahrhundert
bekannt. Denn Handel mit Duckstein Bier (Kalksinter auch Duckstein),
war in reichen Maße im Lutterwasser vorhanden, das zum Bierbrauen
benötigt wurde. Die Stadt bestand seinerzeit aus 250 Grundstücken,
davon hatten 73 eine Brauberechtigung.
Pünktlich
waren wir um 11 Uhr vor dem Dom. Hier warteten schon die bestellten
Dom-Führer, Herr Jackisch und Herr Deutsch, auf uns. Einführend
erklärte Herr Jakisch, dass die Geschichte Königslutters am 18.11.35
beginnt, als der Kaiser des Heilige römischen Reiches Deutscher
Nation, Lothar von Süpplingenburg, das Benedektiner Stift gründete.
Die Stiftskirche des ehemaligen Klosters, allgemein Kaiserdom
genannt, gehört zu den eindrucksvollsten romanischen Bauten in
Niedersachsen. Am Domportal halten zwei steinerne Löwen Wache.
Italienische Steinmetze schufen sie, wie auch die Kapitelle des
Chores und den rätselhaften Jagdfries an der Außenseite der Apsis,
Hasen sieht man hier, die einen Jäger fesseln. Verkehrte Welt.
Imponierend das 65 Meter lange Mittelschiff. Hier finden wir auch
das Kaisergrab und die Kanzel.
Einzigartig auch der Kreuzgang. Jeder der steinernen Säulen ist ein
Kunstwerk, die Decke tragend, als sei es der Himmel. Das Grün des
Innengartens leuchtet durch die nun verglasten Fensterbögen und
vermitteln eine Stille wie vor acht Jahrhunderten. Hier im Kreuzgang
finden auch regelmäßig die Domkonzerte statt. Faszinierend die
Akustik. Leider konnte die Marienkapelle wegen Renovierungsarbeiten
nicht besichtigt werden. Erwähnenswert auch die fast 900jährige
Kaiser-Lothar-Linde.
"Großer Gott wir loben Dich" klang es aus mehr als 100 Kehlen und
passte so recht zu dem, was man in solchen Augenblicken empfindet.
Pünktlich waren wir dann auch im Hotel "Königshof" wo für 12.45 Uhr
das Mittagessen bestellt war.
Unser letztes Etappenziel war Riddagshausen, die Kirche des
ehemaligen Zisterzienser-Klosters, wo wir unter sachkundiger Führung
den prunkvollen Innenausbau besichtigten.
Planung ist alles, denn fast pünktlich um 18 Uhr waren die
Ausgangspunkte dieser doch so schönen Fahrt wieder erreicht.
Ernst Brecht