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Gedanken zu ToD und Sterben

Wir müssen mehr über Tod und Sterben lernen, damit wir glücklicher leben können.

Unser Tod ist uns unbekannt, weil wir ihn nie vorweg schon einmal üben können. Den Tod anderer aber können wir erleben, zu ihm können wir eine Einstellung gewinnen. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Begleitung sterbender Freunde oder Angehöriger den Umgang mit dem Tod erleichtert, weil wir am Sterbebett plötzlich merken können, welche Hoffnung, Stärke und Vertrauen ein Mensch ausstrahlen kann, der sich anschickt, Abschied zu nehmen; auch wenn dieser Abschied mit harten Lebenskämpfen verbunden sein kann. Haben wir aber verlernt, Menschen in dunkle Augenblicke zu begleiten, dann werden wir unsicher, sodass wir alles von uns fortschieben, was auch nur entfernt an Sterben und Tod erinnert.

Heute haben wir anscheinend viel verlernt: Kranke bleiben oft allein im Krankenhaus, ältere Menschen werden zusehends isoliert, das Gespräch über das Ende des Lebens fehlt.

Unbewusst versuchen wir, den Tod wegzuschieben. Da wir aber wissen, dass er unseren Alltag oft mehr beeinflusst, als wir ahnen (zunehmende Depressionen, Kontaktstörungen, steigende Liebesunfähigkeit, Überaktivität, Geschwindigkeitsrausch, Tendenz zum Alkohol). 

Was können wir tun:

- wenn Nachbarn und Freunde Angehörige verloren haben? Selbstverständlich hingehen, mit ihnen sprechen; fragen, ob sie Hilfe brauchen; ihnen durch eine Blume oder eine andere Aufmerksamkeit zeigen, dass man an sie denkt. Nicht gut ist es, zu schweigen, auszuweichen, die Freunde in einer solchen Situation allein zu lassen.

- wenn jemand schwer krank und nicht mehr ansprechbar ist? Z. B. eine Kerze am Bett anzünden, die Hand halten, ihm/ihr vorlesen, weil das Gehör bis in den Tod hinein aufnahmefähig ist. Psalmen oder Gebete zu lesen, zu sprechen, hat oft viel genutzt. Mancher feiert das Abendmahl zur Stärkung, auch wenn die Krankheit vermutlich nicht zum Tode führt. Der Pastor besucht immer gern kranke Menschen, wenn er davon erfährt.

- wenn jemand gestorben ist? Rufen Sie den Pastor an. Er kann dann zu einer Aussegnung in das Haus kommen und es kann zu Haus oder im Krankenhaus würdig Abschied genommen werden. Oder es wird erst einmal der Termin der Beerdigung oder Trauerfeier vereinbart und ein Gespräch zur Vorbereitung. Der Abschied auf dem Friedhof ist für die Hinterbliebenen wichtiger als sie selbst oft ahnen. Er hilft, den Prozess des Abschiednehmens einzuleiten.  Die Trauerfeier hat sich im Laufe unserer Kultur als ganz wichtiger Schritt entwickelt; lassen wir sie wegfallen, dann fehlt  Wichtiges für unsere seelische Gesundheit. Außerdem hilft es uns, wenn wir am Grabe hören, was Christen über den Tod hinaus zu sagen haben.

- wenn jemand anonym beigesetzt werden will? Man sollte, wenn irgend möglich, davon Abstand nehmen, weil wir einen Platz (nicht nur im Herzen) brauchen, wo wir an unsere Verstorbenen denken können. Mögliche fehlende Pflege sollte nicht der Grund sein, sich anonym bestatten zu lassen. Kirchliche Friedhöfe bieten inzwischen Rasengrabstellen an, die keine Pflege der Angehörigen bedürfen. Das ist für alle gut, die fürchten, Probleme mit der Grabpflege zu bekommen. Die Stelle ist dann bekannt und kann besucht werden, aber sie muss nicht gepflegt werden. 

- wenn z.B. bei einer Feuerbestattung Blumen nicht mit auf das Grab gelegt werden können oder jemand Kranz- und Blumenspenden nicht mag? Dann kann in der Anzeige ein guter Zweck angegeben werden, für die eine Spende bestimmt sein soll. Dies kann auch im Gespräch mit dem Pastor geschehen, der hier Hilfe anbietet.

- wenn ich an einer Trauerfeier teilnehme? In der Kapelle legen manche einen Strauß an den Sarg. Sie stehen vor dem Sarg, denken an den Verstorbenen, sprechen ein Gebet für die Angehörigen und dass der Verstorbene bei Gott Frieden finden möge.

Lieder bei der Trauerfeier sprechen Glaubensgedanken aus, die für die Angehörigen oft wichtig sind, die sie aber selber  nicht aussprechen können, weil die Trauer sie zu sehr gefangen nimmt. So soll die Gemeinde diese Gedanken für die Angehörigen laut werden lassen.

Im Anschluss an die Trauerfeier sammelt sich die Trauergemeinde draußen, um dem Sarg zu folgen und Abschied zu nehmen. Es ist ein Weg der Stille, des Gedenkens des/r Verstorbenen und des eigenen Sterbens. Am Grab spricht noch einmal der Pfarrer und alle beten gemeinsam das "Vaterunser". Dann tritt jeder einzeln ans Grab, nimmt Abschied, vielleicht auch mit einem Gebet, einem Wunsch, einem Segen, der in der Stille gesprochen wird. Anschließend geschieht symbolisch der letzten Liebesdienst, man beerdigt zeichenhaft, indem man drei Hände oder Schaufeln Erde auf den Sarg tut. Es wäre gut, wenn man dann den Angehörigen ein tröstendes Wort sagen kann.

- wenn an mir ein Trauerzug vorbeikommt? Dann ist es gut, stehen zu bleiben und zu warten, bis der Zug vorbei ist. Mancher hat für den unbekannten Toten gebetet oder um Kraft beim eigenen Sterben gebeten.

- wenn ich über meinen eigenen Tod nachdenke und mehr über das Sterben und das Leben danach wissen will? Dann kann in jeder Situation Kontakt mit der Gemeinde aufgenommen werden. Mancher hat am Krankenbett Trost und Stärkung erfahren oder schon lange vor seinem Tode mit dem Pfarrer über die eigene Trauerfeier gesprochen. Das ist oft eine große Hilfe für die Angehörigen, die zurückbleiben.

Wenn Ewigkeitssonntag ist, dann wird besonders der Verstorbenen gedacht. Nach alter christlicher Überlieferung ist Jesus Christus am Karsamstag bei den Verstorbenen gewesen, um ihnen das Licht des Lebens zu bringen. So beten wir auch heute noch für alle Verstorbenen und die toten Anteile in uns, die besonders der "Erleuchtung" bedürfen. In unserer Gemeinde werden die Namen aller Verstorbenen verlesen, die durch die Gemeinde beerdigt wurden.

Reinhard Guischard, Pfarrer in Goslar

 

Leben wir,  so leben wir dem Herrn.
Sterben wir, so sterben wir dem Herrn.

Darum:

ob wir leben oder sterben,
wir sind und wir bleiben des Herrn.

Römerbrief  Kap.14  Vers 8

 

 

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