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Geschichte der
Groß Elber Kirche

Wie kam ein kleiner Ort wie Groß Elbe zu einer so prachtvollen Ausstattung seiner Kirche? Im Einzelnen werden wir das nicht mehr erkunden können. Es hängt aber sicher damit zusammen, dass Vater und Sohn Köhler insgesamt 83 Jahre als Pfarrer in diesem Dorf gewirkt haben. Das ermöglichte wohl eine Bündelung aller Kräfte.

Der „alte“ Köhler, etwa 1594 geboren, hatte die Schrecken des 30-jährigen Krieges erlebt(1618-1848), aber auch die Wende zum Frieden. Seit 1653 begleitete er die wundersame Heilkraft der Quelle auf dem Altfeld mit Gebet und Andacht. Allerdings war er in einer seltsamen Lage: als lutherischer Pfarrer war er dem katholischen Bischof von Hildesheim zugeordnet. Sein Sohn, der „junge“ Köhler, hatte schon vor oder bei Übernahme des Pfarramtes 1666 eine Sicherung für sich vorgenommen: vorsorglich erwarb er das Bürgerrecht der Freien Reichsstadt Goslar, die eindeutig lutherisch war. Sein Stiefbruder Daniel heiratete 18 Jahre später Anna Elisabeth Schlüter in der „Kaiserstadt“. Deren Familienwappen ist am Groß Elber Altar zu sehen, vielleicht ein Hinweis auf Schenkungen aus Goslar. Es gibt ja die Vermutung, dass es ein Lessen-Altar aus Goslar sei, möglicherweise einer, der ursprünglich für eine andere Kirche gedacht war (links und rechts „passt“ der Altar ja nicht richtig in unsere Kirche!). Der „junge“ Köhler erlebt ein Jahr nach Amtsantritt, also 1667, eine Katastrophe: große Teile des Dorfes brennen ab, darunter das Pfarrhaus und die Schule. Wiederaufbau heißt jetzt das große Thema. Ich stelle mir vor, dass in diesem Zusammenhang auch der Wunsch aufkam, endlich eine größere Kirche zu haben, mit Platz für alle und mit einer besseren Ausstattung. Sicher spielte da auch die Dankbarkeit eine Rolle! Was hatte das 16. Jahrhundert nicht alles an Not und Verzweiflung gebracht. Aber nun, an der Schwelle zur Jahrhundertwende, konnte man dankbar bekennen: mit Gottes Hilfe leben wir und haben eine Zukunft. Das wurde auch das Thema des Altars! Köhler wird in der reichen barocken Ausstattung als Grundaussage gefunden haben: Hier, mitten im Dorf, im Gotteshaus, wird die Fülle der Heilstaten Gottes anschaubar. Hier sehen wir Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Wirkens Gottes an den Menschen. Der Altar und die gesamte Ausstattung werden so zu einem Heilszeichen inmitten einer geplagten und geschundenen Welt. Ein „Triumphkreuz“, ein geschnitztes Glaubensbekenntnis mitten im Dorf. „Heile Welt“ nach einem Jahrhundert der Zerstörung. Sorgsam wird Köhler darauf geachtet haben, dass die Altarplatte der „alten“ Kirche auch in der neuen nun viel größeren einen würdigen Platz bekommt: schließlich hatte sein Vater 40 Jahre lang daran Gottesdienst gehalten! Und die Grabplatte seines Vaters, der inzwischen 32 Jahre lang auf dem Friedhof ruhte, versenkte er vor der Stufe des Altarraumes, quasi am „Rande des Paradieses“, zu Füßen der im „Pfarrfrauenstuhl“ sitzenden Familie. Damit war auch der Vater Bestandteil der „Wolke der Zeugen“, die oben an der Brüstung noch heute den Weg zum Altar säumen: Propheten, Apostel und Evangelisten, inmitten der versammelten Gemeinde, die sicher ihre neue Kirche mit großer Begeisterung neu in Besitz genommen hat. Ihrem rührigen Pfarrer und dem Schulmeister Fricke, der das Geld gesammelt hatte, setzte sie an der Außenseite des Anbaus je eine Gedenkplatte als Zeichen des Dankes!

Helmut Liersch

 

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