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30 JAHRE Kindergarten Gustedt

Blicken wir 30 Jahre zurück: Wer erinnert sich noch an das Jahr 1972? Willi Brandt war damals Bundeskanzler, Bonn war unsere Hauptstadt, östlich von Helmstedt hatte sich die DDR durch Mauer und Stacheldraht abgeschottet, in München fanden die Olympischen Spiele statt, Deutschland wurde Fußballweltmeister, wir zahlten mit D-Mark und an den Euro war noch nicht zu denken.

In Gustedt stand 1972 das Schulgebäude leer, die Schulkinder wurden in die neu erbaute Mittelpunktgrundschule nach Groß Elbe gefahren. Kindergärten für die  Kleineren gab es nur in Ringelheim oder Holle; dorthin mussten die kleinen Zöglinge gebracht werden.

Da beschlossen der damalige Kirchenvorstand und Pfarrer Götz, in der leer stehenden Schule einen Kindergarten einzurichten. Mit der Gemeindevertretung Gustedt wurde man sich schnell einig: Der Gemeinderat stellte das Schulgebäude und die Einrichtung zur Verfügung, für Personal, Organisation und Verwaltung wurde die evangelische Kirchengemeinde zuständig.

Als Leiterin wurde mit dem Aufbau Christa Orlowski beauftragt. Von Anfang an dabei war die Kinderpflegerin Ingrid Meyer, die sich an die schwierigen Anfangsmonate erinnert: „Zwei Schulräume standen uns für 45 Kinder zur Verfügung. Von den ehemaligen Schulstühlen und Tischen wurden die Beine abgesägt, so dass die Kleinen daran sitzen konnten. Aus den alten Schulschränken ließen wir die Türen entfernen, damit hatten wir provisorische Regale für die Spielsachen. Leider waren die Räume für die große Kinderzahl viel zu klein, es war sehr eng. An ein Herumtollen der Kinder, an Bewegungsspiele war nicht zu denken. Wir zwei Betreuerinnen wechselten uns ab beim Kochen von Kakao, beim Telefondienst. Dann musste jeweils eine Gruppe unbeaufsichtigt bleiben. So fing es damals an.“

Aber wichtig war, dass 1972 hier ein wohnortnaher Kindergarten eingerichtet werden konnte, eine Einrichtung, in der die Kinder mit der unmittelbaren Umgebung, also ihrer Nachbarschaft, verbunden waren.

Und heute: Viel hat sich seit der Anfangszeit verändert, das äußere Bild erinnert kaum noch an die alte Schule. Dem Kindergarten stehen mit dem Keller vier Räume zur Verfügung. Die Einrichtung, das Mobiliar, ist kindgemäß. Wenn das Wetter es zulässt, bietet ein naturnahes Außengelände vielfältige Spiel- und Erfahrungsbereiche wie Baumhaus, Bauwagen, Kletterbäume, Sandbereich mit Wasseranlage und vieles mehr. Für die drei Stammgruppen arbeiten heute fünf ausgebildete Erzieherinnen.

Seit Rosina Niesel 1988 die Leitung übernahm, wurde das Konzept des Kindergartens Stück für Stück in Richtung eines „offenen Kindergartens“ verändert.

Jetzt erinnert nur wenig daran, dass ein Kindergarten ein Ort ist, in dem die kleinen Kinder für ein paar Stunden „aufbewahrt“ werden.

Hier findet gezielte Erziehungsarbeit statt. Dabei wird besonders angestrebt, durch eigenständiges Handeln Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu fördern und Fantasie und Kreativität anzuregen. Im Kindergarten gibt es kein Fernsehen, kein Video, keine Computerspiele. Dafür finden die Kinder eine herausfordernde Umgebung, die zum Spielen, zum Handeln mit anderen anregt. Das Spiel ist eine kindgemäße Form der Betätigung, in der die Bewegung, die Gefühle, das Denken und das soziale Handeln angeregt und gefördert werden.

Wichtig ist dem Kindergartenteam auch, mit Kindern, die oft keine Geschwister haben, Rücksichtnahme auf andere, Hilfsbereitschaft, aber auch Durchsetzungsvermögen einzuüben, zu lernen, dass man manchmal auch zurückstecken muss.

Die Stammgruppen sind, anders als es früher war, vom Alter her gemischt. Wenn neue Kinder (kleinere) in den Kindergarten kommen, werden sie von den älteren in Form einer „Patenschaft“ betreut. Die „Großen“ begleiten die Neulinge durch die Räume, zeigen ihnen, wo draußen und drinnen die Spielgeräte sind, wie die Cafeteria benutzt werden kann, wo das gebrauchte Geschirr hingestellt werden soll, und so fort.

Als Kindergarten der evangelischen Kirchengemeinde spielt der religiöse Aspekt im täglichen Umgang eine wichtige Rolle. Wie Jesus es vorgelebt

Kinder werden die Kinder in ihrer Einzigartigkeit angenommen, in ihren Freuden und ihrem Leid, in ihren Sorgen und Nöten, ihrer Traurigkeit und Verschlossenheit, aber auch ihrer grenzenlosen Neugierde. Jedes Kind soll sich angenommen fühlen, es soll erfahren, dass seine Fragen und Gefühle ernst genommen werden. Dabei soll es lernen, menschlich mit anderen umzugehen, füreinander da zu sein, miteinander zu teilen, Schwächeren zu helfen. Konkrete Inhalte der religionspädagogischen Arbeit sind Gebete und Kinderlieder, biblische Geschichten und das Feiern kirchlicher Feste, aber auch diakonische Aktivitäten wie der Besuch der Weihnachtsfeier des Altenkreises.

Dieses kurze Portrait kann nur einen kleinen Ausschnitt der vielen Möglichkeiten zeigen, die den Kindern heute geboten werden. So wie sich seit 1972 hier von Jahrzehnt zu Jahrzehnt viel verändert hat, gehen die Veränderungen weiter; ständig kommen neue Ideen dazu, wie das Konzept „Offener Kindergarten“ noch effektiver umgesetzt werden kann. Wir wünschen dem Team weiterhin eine gute Hand bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit.

Rudolf Brinschwitz

www.kindergarten-gustedt.de

 

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