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Elsa Brändström
(1888-1948
)
„Sich
kennen lernen und sich verstehen sind die Brückenköpfe; an die Menschheit
glauben und sich für sie begeistern können sind die Pfeiler, auf denen die
Liebesarbeit ruhen muss, wenn sie der Völkerversöhnung dienen soll.“
Dies sind
Worte aus Elsa Brändströms Rede vor der Weltkirchenkonferenz 1925 in
Stockholm. Sie wusste, wovon sie sprach, sie hatte den ersten Weltkrieg
hautnah mit all seinem Leid miterlebt. Sie wusste, wie wichtig das Brücken
Schlagen zwischen den Menschen, zwischen den Völkern ist. Worte die
aktueller nicht sein könnten!
Elsa ist
die Tochter des schwedischen Militärattachés Edward Brändström. Aufgewachsen
ist sie in Linköping. Dort genoss sie eine Erziehung, in der es üblich war,
seine eigene Meinung frei zu äußern. Leitsatz ihres Vaters war: Du sollst
für das eintreten, was du als richtig und notwendig erkannt hast – mit allem
was du bist und hast. Ein Satz, den Elsa verinnerlicht hat.
Als
Diplomatentochter hätte sie ein luxuriöses Leben führen können, doch der
Beginn des ersten Weltkrieges 1914 veränderte alles. Sie lässt sich als
Lazarettschwester ausbilden! Das Schicksal der Gefangenen lässt sie nicht
mehr los. 1915 begleitet sie einen Gefangenentransport nach Sibirien. Sie
wird mit unvorstellbarem Elend konfrontiert. An ihren Vater schreibt sie:
“Du weißt, dass wir hierher kamen und Not und Elend uns erwarten. Aber die
Wirklichkeit ist noch viel schlimmer.“ Fünfeinhalb Jahre verbrachte Elsa B.
in Sibirien und musste am eigenen Leib erleben, wogegen sie für andere
kämpfte: Flecktyphus, Hunger, Kälte, Gefangenschaft. Als delegierte des
Roten Kreuzes organisierte sie Hilfstransporte. 1920 kehrte Schwester Elsa
zu ihrem kranken Vater zurück. Sie wirkt unermüdlich; Als Mitglied des
„Schwedischen Hilfskomitees für Kriegsgefangene in Sibirien“ organisiert sie
erfolgreich Spenden und Hilfsaktionen.
Um ihre Erinnerungen verarbeiten zu können
und einer plötzlich auftretende tiefen Depression entgegen zu wirken,
schreibt sie ein Buch: “Unter Kriegsgefangenen in Sibirien“. Der Verkauf
wird ein Erfolg und von dem Erlös entstehen die Kuranstalt Marienborn in
Sachsen und das Gut Schreibermühle in Berlin, beides Arbeits – und
Erholungssanatorien für ehemalige Kriegsgefangene. Später kommt noch das
Heim für Kriegswaisen hinzu: Schloss Neusorge.
1929 heiratet Elsa B. den Minsterialrat und
Professor Dr. Robert Ulrich und bekommt mit 44 Jahren ihre Tochter Brita.
Sie leben in Dresden.
1933 erfuhr Hitler von den Taten Elsa
Brändströms und wollte sie für seine Zwecke gewinnen. Auf die Einladung
antwortet Elsa B. unmissverständlich: “Nein. Elsa Brändström-Ulrich“
1934 verlässt sie Deutschland. Elsa bleibt
auch in Amerika nicht untätig. Nach kurzer Zeit wird ihr Haus zu einer
Anlaufstelle für jüdische Immigranten. Auf vielfältige Weise verhilft sie
den verfolgten Juden zu einem Neuanfang in den Staaten. „Unfassbar, dass
wieder Krieg ist“ schreibt sie ihren deutschen Freunden.
Sie sammelt Geld für die norwegische
Widerstandsbewegung. Kurz vor Kriegsende 1945 verwandelt sich ihr Keller in
ein Warenlager für Not leidende deutsche Kinder. Viele missbilligen das,
doch dem entgegnet sie: “ Wenn ein Mensch am Ertrinken ist, erkundigen Sie
sich dann erst nach der Nationalität?“
Elsa B. wird zur Bahnbrecherin der CARE-Idee,
der unzählige Menschen in den Nachkriegsjahren das Überleben verdanken.
Leider kann Sie nicht mehr nach Deutschland zurück kehren. Elsa B. erkrankt
an Knochenkrebs und ist die letzten neun Monate ihres Lebens ans Bett
gefesselt.
Kurz vor ihrem Tod schreibt sie für ihre
Tochter: “Es ist schon merkwürdig, wenn man die letzten Tage spürt. Ich
sehne mich so nach dem Leben. Ich möchte am liebsten allen jungen Menschen
sagen: Habt vor nichts Angst. Das Leben ist aufregender, schöner und
kraftvoller, als ihr euch vorstellen könnt. Wir aber sind stärker, als wir
glauben.“
Ihr ganzes Leben hat sie anderen Mut und
Kraft geschenkt um das Leben mit all seinen Widrigkeiten zu meistern. Immer
wieder hat sie gerade das Notwendige getan.
Vielleicht mag uns die Erinnerung an eine
Frau wie Elsa Brändström dazu ermutigen, im Kontext heutigen Lebens nach
Sinn zu suchen und Verantwortung zu übernehmen, der Kraft des Glaubens bzw.
des Gewissens zu vertrauen und daraus kreativ zu handeln.
Betina Heinecke
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