|
Bittgottesdienst am 12.
September
Ich war sehr betroffen und schockiert über die ersten
Bilder aus Amerika, als ich am 12. 9. zum Bittgottesdienst zum Gedenken der
Opfer der Terroranschläge ging. Eine ungewohnte und nicht gekannte Angst stieg
damals in mir auf, obwohl Amerika so weit weg ist. Es war das Fremde, was mir
Angst machte, die neue Art von Terroranschlägen mit Selbstmordpiloten. Beim
Betrachten der Bilder im Fernsehen wurde einem die Hilflosigkeit einer so
mächtigen Militärmacht, vor Augen geführt. Wir können uns absichern so viel wir
wollen, auch durch höchsten finanziellen Einsatz, doch was am 11. 9. geschehen
ist, kann überall und zu jeder Zeit wieder passieren - auch in Deutschland!
Ich bin dankbar, dass ich in
einer Zeit ohne Krieg, in unserem Land, leben darf.
Wie aber reagierten nun die
USA? Welche Folgen hat das für Deutschland? Wie sieht die Zukunft unserer Kinder
aus? Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wie soll man auf so ein Übel
reagieren? Fragen über Fragen.
Ich kann die Wut des
amerikanischen Volkes auf den Mann verstehen, der dafür verantwortlich ist, und
die Sehnsucht nach Vergeltung.
Um meine Verbundenheit mit den
Amerikanern zum Ausdruck zu bringen, besuchte ich am 12. 9. den Bittgottesdienst
in unserer St. Martinskirche Groß Elbe. Die voll besetzte Kirche zeigt mir, dass
sich viele Menschen unserer Gemeinde in ihrer Trauer und ihren Gefühlen mit den
USA verbunden fühlten. Pastor Grote wies in seiner Predigt darauf hin, dass wir
Gewalt nicht mit Gewalt begegnen sollen, denn Jesus macht deutlich: Gewalt ist
niemals ein Mittel, um Probleme zu lösen, weder im persönlichen noch im
gesellschaftlichen Bereich. Darum sollten Christen immer wieder für friedliche
Lösungen eintreten. Die unheimliche Stille und Ruhe während des Gottesdienstes
zeigt mir die tiefe Betroffenheit der Anwesenden. Es war gut, dass dieser
Gottesdienst gehalten wurde, und es tat gut daran teilgenommen zu haben.
Aber ich muss ehrlich gestehen,
die Welt wird sich nicht ändern. Sie bleibt weiter voller Fragen, voller Angst,
Not und voll von Gewalt.
Auf dem Heimweg vom
Gottesdienst jedoch hatte ich das Gefühl, mit meinen Ängsten und Gedanken nicht
allein zu sein.
Denn das letzte Urteil wird
nicht in dieser Welt gesprochen, sondern in Gottes Ewigkeit.
Simone Dießel
|