|
Frieden muss wachsen
Ein
ungewöhnliches
Bild ziert in diesem Jahr unseren Gemeindebrief. Es ist kein
traditionelles Weihnachtsbild. Aber es lädt ein zum Hinschauen, zum
Vertiefen und Entdecken.
Es ist eine
ungewöhnliche Darstellung der Geburt Christi.
Zunächst
sieht man nur nebelartige Farbstriche und gelbe Farbkleckse. Doch unter
dem Stichwort „Christi Geburt“ wird doch anderes sichtbar und
deutlich.
Die weiße
Figur – die Mutter Maria. In sie hineingelegt in zartem gelb – das Kind.
Die gelbe Farbe von links – das Licht der Heiligen Nacht.
In diesem
Bild liegt sehr viel Energie und Bewegung. Mitten in das Dunkel der Welt
kommt dieses Kind zu uns und damit das Zeichen der Liebe Gottes.
Engelsgleich wirkt Maria. Sie ist gar nicht richtig greifbar – aber ist
das Geschehen überhaupt greifbar? Maria – von Gott angesprochen, den
Heiland, den Retter der Welt zu gebären, Gott als Mensch zur Welt zu
bringen? Maria war sicher kein Engel, und doch wurde sie von Gott in den
Dienst genommen.
Und dann das
Kind – wie ein Embryo ist es gestaltet. Ganz klein und unscheinbar ist es
noch in Maria – wachsend für die große Aufgabe seines Lebens.
Ein schönes
Weihnachtsbild, wenn ich daran denke, dass das, was Jesus getan hat, was
Jesus für uns ist und sein kann, nicht fertig in uns ist, sondern es muss
wachsen. Es ist oft nur etwas ganz Kleines von Jesus in uns, was uns
anspricht, was uns anrührt, das aber dann doch in uns wächst und uns zu
einem größeren führen kann.
Weihnachten
ist jedes Jahr ein neuer Anfang, den Frieden Gottes neu in uns einpflanzen
zu lassen, auf dass er in uns größer wird und weiter wirkt. So wie eben
ein Embryo in der Mutter wächst. Ein Embryo ist etwas ganz neues im Leib
der Mutter. Es lebt von der Mutter, wird teil von ihr, ohne dass er in der
Mutter aufgeht. Der Friede Gottes, er ist etwas von außen, das nicht zu
uns gehört und doch ganz in uns eindringt. Er dringt in uns ein, um in uns
zu wachsen und zu reifen, und um dann wieder eigenständig zu wirken. Wir
schaffen Frieden, aber er geht aus von Gott. Wir schaffen Frieden, aber es
ist letztlich nicht unser Friede, sondern Gottes Friede, der in der Welt
wirksam wird.
Dieser
Friede ist verletzlich, wir erleben es jeden Tag. Er braucht den Schutz
der Menschen, die ihn fördern und wirken lassen. Und er braucht die Kraft
von oben.
Die
gelben Farbflecke, Strahlen des Lichtes, kommen in das Bild. Sie treffen
das Kind, sie treffen die Mitte dieser zwei Personen. Gottes Kraft vermag
den Frieden zu stärken, sie vermag das Dunkel um die Personen zu
durchdringen und zu verändern. So vermag auch Gottes Geist den
Friedenswillen von uns Menschen zu stärken und die dunklen Seiten der Welt
zu verändern. In seiner Kraft können wir das tun.
In den
gelben Farbflecken ist ein dünnes Kreuz zu sehen. Weihnachten ist die
freudige Seite des Friedens und der Liebe Gottes. Aber das Ende Jesu
kündigt sich ja schon in der Armut des Stalles von Bethlehem an. Das
Kreuz macht deutlich, dass der Weg, der mit diesem Jesus beginnt, kein
leichter Weg ist. Wer den Weg des Friedens gehen will, der muss mit
Gegnern rechnen, der muss mit Leiden und mit Opfer rechnen, die auf
diesem Weg zu bringen sind. Das Kreuz steht auf diesem Weg im Raum.
Aber es ist
eben zu Weihnachten nicht das beherrschende, sondern das Einpflanzen und
Wachsen steht im Raum. Dem Wachsen des Friedens Möglichkeit verschaffen,
ihm Raum geben und die Liebe Gottes weitertragen in uns, das will uns das
Bild für das Weihnachstfest 2001 mitgeben.
Möge dieser
weihnachtliche Friede uns alle erfüllen und sichtbar werden in unserm Tun.
In diesem
Sinne wünsche ich uns allen fröhliche Weihnachten und ein gesegnetes Jahr
2002
Ihr Jürgen Grote
|