| Gemeindebrief |
Nr. 86 |
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Andacht Sei reich bei Gott Das Erntedankfest steht nun bald wieder vor der Tür. Es ist ein Fest des Dankes für die Gaben der Natur. In den Erntedankgottesdiensten wird an diesem Tag immer die Geschichte von dem reichen Kornbauern gelesen (Lk 12, 16-21). Ehrlich gesagt, sehr zum Leidwesen vieler Landwirte, die mit dieser Geschichte in ein vermeintlich schlechtes Licht gerückt werden. Dass dem nicht so ist, sondern dass diese Geschichte uns alle angeht, könnte die folgende Veränderung des biblischen Textes zum Ausdruck bringen. Und Jesus sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Leben hatte einen guten Ertrag gebracht. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Wie kann ich diesen Ertrag anlegen, damit ich in Ruhe leben kann? Und sprach: Das will ich tun: Ich werde meine Habe gut anlegen: ich werde Häuser kaufen, Aktienfonds und Versicherungen gegen jeden möglichen Schaden. Von den Zinsen und Erträgen werde ich leben. Und ich will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott. Jesus beschimpfte nur sehr selten Menschen, aber er hielt oft einen Spiegel vor, in dem die Menschen sich sehen können, wie sie sind und wie sie leben. Es ist keine Schande, reichen Ertrag im Leben zu haben. Wer mit ehrlicher Arbeit Geld verdient und sich etwas gönnt, ist nicht zu verurteilen. Und das tut auch die biblische Geschichte nicht. Aber sie fragt danach, welche Auswirkungen unsere Lebenserträge auf uns haben. Jesus macht uns darauf aufmerksam, dass unser Leben nicht auf dem ruht, was wir selber aufgebaut haben. Wir können uns absichern so viel wir wollen, wir können letztlich damit die Grundlagen des Lebens nicht in unsere Hände bekommen. Das, was wir haben, kann unser Leben nicht festigen. Gesundheit ist nicht zu kaufen, Lebensverlängerung ist auch durch höchsten finanziellen Einsatz nicht möglich und auch der Gedanke, man könnte vielleicht durch Klonung, also durch Menschenherstellung aus eigenen Genen, sein Leben zu einem ewigen Leben machen, führt nur zu einer Ausgeburt neuzeitlichen Machtwahns. Jesus weist auf die Grenzen des Menschen hin. Und diese Grenzen akzeptieren zu lernen, daraus für das Leben etwas heraus ziehen, das ist das, was Jesus uns deutlich machen will. Sei reich bei Gott, sagt er. Und wissen Sie, was Reichtum bei Gott heißt: nichts weiter als offene Hände haben, die Gott füllt. Reich sein bei Gott, das ist: reich sein durch Gott, reich sein von Gott her. Wir versuchen oft genug das heraus zu stellen, was wir können und leisten. Das soll auch seine menschliche Anerkennung erfahren. Aber was letztendlich für das eigene Leben zählt, das ist doch die Gewissheit, dass ich als ICH getrost sterben kann. Und darum zählt der Glaube so viel, der sich ganz in der Hand Gottes weiß. In diesem Sinne wünsche ich uns ein dankbares Fest der Erträge des Lebens, die wir von Gott empfangen. Ihr Jürgen Grote
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