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Friedrich Burgdorf
Auf den Spuren der Dorfgeschichte

Zwei Wünsche standen im Vordergrund, als Friedrich Burgdorf zur Feier seines 70. Geburtstages die vielen Gäste begrüßte: Dass Groß Elbe seinen Charakter als Dorf behalten möge und dass alteingesessene Dörfler und Neubürger zusammen finden und ein "Wir-Gefühl" entsteht, wie es in früheren Jahren üblich war, wo jeder bereit war, dem anderen zu helfen.

Friedrich Burgdorf verfällt dabei nicht in Nostalgie und trauert vergangenen Zeiten nach. Sehr realistisch beobachtet er die Veränderungen unserer Gegenwart. Als ihm sein Vater 1960 den relativ kleinen Hof übergab, der nachweislich seit 10 Generationen im Besitz der Familie Burgdorf ist, übernahm Friedrich mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Elisabeth einen "landwirtschaftlichen Zoo" mit Pferden, Rindern, Schweinen, Gänsen, Hühnern, wie es in der Landwirtschaft seit Jahrhunderten üblich war. Er erkannte sehr bald, dass ein Landwirt so in Zukunft nicht wirtschaften konnte, nicht mit seiner Arbeitskraft und nicht vom Ertrag her. Er schaffte Kühe, Schweine, Gänse ab und konzentrierte sich auf Bullenmast, einige Jahre später stellte er den Betrieb auf Mastschweine um.

Diese für seinen Hof erfolgreiche Spezialisierung betrieb er auf Empfehlung von Agrarexperten, mit denen er während seiner Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister, bei seiner Arbeit in der Landjugend, aber auch bei etlichen Fortbildungsseminaren Kontakte geknüpft hatte.

Friedrich Burgdorf hat den radikalen Wandel der Landwirtschaft am eigenen Leib erlebt. Lebendig ist ihm in Erinnerung, wie er schon als 10-jähriger nach der Schule mit vorgespannten Ochsen eggen oder pflügen musste, alles harte Knochenarbeit. Erst 1955 konnte sich die Familie einen Schlepper anschaffen, und es vergingen noch etliche Jahre, bis das Ehepaar Burgdorf Mähdrescher und Rübenroder einsetzen konnte.

Eine schwere Zeit entstand nach Kriegsende: die Männer waren meist noch in Gefangenschaft, die Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter kehrten in ihre Heimat zurück, da mussten Alte, Frauen und Kinder die notwendigen Arbeiten verrichten, denn die Bevölkerung musste mit Nahrungsmittel versorgt werden, die staatlichen Behörden und die Besatzungsmächte wachten streng darüber.

Friedrich Burgdorf kann viele Anekdoten erzählen, wie man damals in den Dörfern durch Schwarzschlachten oder auch durch Schwarzbrennen von Schnaps den Behörden ein Schnippchen schlagen konnte.

Seit 1961 engagierte er sich politisch. Mehr als 25 Jahre gehörte er dem Gemeinderat und dem Samtgemeinderat an. Sieben Jahre war er Bürgermeister von Elbe. Er legte sein Amt nieder, weil seine eigene Partei die von ihm für wichtig gehaltene Dorferneuerung nicht mittragen wollte.

Beharrlich setzte er sich weiter dafür ein, dass Dorfstraßen weiter begrünt wurden, dass möglichst viele heimische Gehölze von Bewohnern gepflanzt und auch gepflegt werden, dass Ruhebänke im Dorf und im Wald aufgestellt werden, dass Dächer und Hausfassaden ihr traditionelles Aussehen behalten oder bei Renovierungen wieder bekommen, ... Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Friedrich Burgdorf hat die Gabe, auf Menschen zuzugehen und sie zu überzeugen, er besitzt darüber hinaus ein Organisationstalent wie nur wenige. Beste Beispiele sind die Feiern 850 Jahre und 860 Jahre Groß Elbe, bei denen er in Zusammenarbeit mit dem damaligen Pfarrer Helmut Liersch das gesamte Dorf mit allen Vereinen zum Mitmachen gewann, allen damals Beteiligten noch in bester Erinnerung.

Nach 30 Jahren hat Friedrich Burgdorf den Vorsitz der Forstgenossenschaft an einen Jüngeren abgegeben. Weiterhin ist er Vorsitzender des Dorfgeschichtsvereins, mit dem er die Geschichte des Dorfes, seiner Höfe und Sippen aufarbeitet. Ein besonderes Anliegen ist ihm die zentral im Dorf gelegene Kirche mit ihrem schönen Altar, dessen weitere Renovierung ihm am Herzen liegt.

Zeit seines Lebens wohnt Friedrich Burgdorf in Groß Elbe, doch hat ihn sein waches Interesse für andere Menschen in fremde Erdteile geführt, zu den Maya-Tempeln nach Mexiko, zum Kap und zu den Straußfarmen nach Südafrika, auf Fotosafari nach Botswana und zu den Terrassenfeldern des Jemen.

Wünschen wir ihm weiterhin gute Gesundheit, so dass er noch lange seinen vielen Hobbys nachgehen kann zum Wohle des Dorfes Groß Elbe, und wir wünschen dem Ehepaar Burgdorf weiterhin Freude mit seinen drei Söhnen und viel Zeit für die Enkelkinder.

Rudolf Brinschwitz

Gibt es Schweine mit zwei Blasen?

Januar 1946. Alles war rationiert. Jedes Schwein, jede Ziege, jedes Huhn wurde gezählt. Scharfe Kontrollen durch die Polizei fanden statt. Doch es wurde im Dorf gemogelt und geschachert, wo es nur ging. Wie noch heute war auch damals im Januar Feuerwehrball.

Für den nächsten Morgen war ein Schwein zum Schlachten angemeldet, der Bürgermeister hatte es taxiert und gewogen. Es musste ja alles seine Ordnung haben.

Morgens gegen 4.00 Uhr trotteten Schlachtermeister H. mit seinem Gesellen und den Leuten, die schlachten wollten, nach Hause. Das Wasser im Kessel musste ja heiß sein, denn um 5.00 Uhr ging es los. Doch nicht nur das "legale" Schwein, sondern auch ein zweites sollte dran glauben, also ganz geheim ein "illegales". Natürlich wussten etliche auf dem Tanzsaal, dass geschlachtet wurde, und man konnte sich ausrechnen, wann das Fleisch im Kessel war und wann Steake und Brühe zum Frühstück fertig waren.

Also auf zum Schlachtefrühstück! Tatsächlich erschienen auf dem Hof eine 5-Mann-Kapelle und ein Dutzend Unentwegter mit Musik und lautem Gesang. Welch ein Schreck! Wohin so schnell mit dem zweiten Schwein? Rasch auf den Strohboden und alles mit Stroh zugedeckt! Keiner hatte etwas gesehen, aber alle wussten Bescheid, sogar die Hauskatzen, die vor dem versteckten Fleischberg saßen. Leider hatte man in der Eile die zweite Schweineblase vergessen, die fein aufgepustet neben der anderen hing. 

Als Amtsperson erschien der Trichinenbeschauer N.. Er schaute, schüttelte ungläubig den Kopf und stellte lakonisch fest: "Es gibt wohl öfter Schweine mit zwei Blasen."

Ja, gab es die damals wirklich?

Friedrich Burgdorf

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