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Paulus - ein Leben für Christus

Menschen gibt es, die ihr ganzes Leben in den Dienst einer Idee stellen. Rastlos sind sie unterwegs, suchen andere von ihren Vorstellungen zu überzeugen, nehmen alle möglichen Strapazen und Gefahren auf sich, ja sie setzen ihr Leben aufs Spiel.

Solch ein Mensch war Paulus, ein Prediger und Organisator aus der Anfangszeit unser christlichen Religion. Über ihn wissen wir mehr als über die anderen Apostel, aus seinen Briefen und aus der Apostelgeschichte, die sein Weggefährte Lukas geschrieben hat.

Paulus stammt aus einer streng jüdischen Familie, sein jüdischer Name war Saul, er lernte den Beruf des Zeltmachers, d.h. Sattler, und er hat in Jerusalem Theologie studiert. Seine Muttersprache war Griechisch, und er besaß das römische Bürgerrecht. Er war also gleichzeitig Jude, Grieche, Römer.

Saul war etwa genauso alt wie Jesus, doch lebte er in einer anderen Welt, in Tarsus, einer griechischen Großstadt, mehrere hundert Kilometer nördlich von Jerusalem. Er gehörte zu Lebzeiten keineswegs zu den Anhängern von Jesus, nicht zu seinen Aposteln und auch nicht zum Kreis der Jünger. Schlimmer noch: Paulus gehörte zu den strenggläubigen Pharisäern und damit zu den erbitterten Verfolgern der jungen Christengemeinde in Jerusalem, wie wir aus der Apostelgeschichte von der Steinigung des jungen Stephanus erfahren.

Warum er die Anhänger von Jesu verfolgte? Aus dem gleichen Grund, weshalb Pharisäer und der Hohe Rat Jesus verurteilt hatten und ihn hinrichten ließen: sie waren der Meinung, Christen wären Abweichler vom wahren jüdischen Glauben an den Gott Jahwe, daher müsste man alles tun, um die neue Religion im Keim zu ersticken, sie zu vernichten.

Und dann geschah vor Damaskus das Wunder seiner Bekehrung: Christus erschien ihm und beauftragte ihn, seine neue Religion zu verbreiten; zu verkünden, dass Gott seinen Sohn auf die Welt geschickt habe, um die Menschen zu erlösen, dass Jesus der Messias sei, den die Juden gekreuzigt hätten; aus Saulus wurde Paulus.

Wie er ausgesehen hat, wissen wir nicht. Doch können wir uns aus den Schriften ein Bild über den Menschen Paulus machen: er war voller Leidenschaft, immer unter Druck, voller Ungeduld, streitbar, ständig bereit, sich zu verteidigen, aber auch anzugreifen, mit ihm auszukommen war sicher nicht leicht. Aber sein Wirken war überaus erfolgreich; er verstand es, die Menschen zu überzeugen. Groß war die Zahl der christlichen Gemeinden, die er gründete.

Rastlos unternahm Paulus etwa 30 Jahre lang seine Missionsreisen, vor allem durch Kleinasien und Griechenland, wo man griechisch sprach. Anders als die zwölf Apostel Jesu, die einfache Männer waren (zur Erinnerung: Petrus war Fischer am See Genezareth), die vermutlich weder lesen noch schreiben konnten und sich aus dem engeren Raum ihrer Heimat nie weg bewegt hatten, war Paulus gebildet und welterfahren.

Sein großes Anliegen war, Jesus als Sohn Gottes möglichst vielen Menschen zu verkünden; nicht nur dem "auserwählten Volk" der Juden, sondern allen Menschen. Das brachte ihn in Konflikt mit Petrus und anderen Aposteln in Jerusalem, die meinten, wer Anhänger von Jesus werden wolle, müsse zuerst Jude werden, d.h. er müsse sich beschneiden lassen und alle Gesetze der Juden streng achten.

Paulus war anderer Meinung, und er setzte sich in der jungen Christengemeinde durch. Er wurde zum "Heidenapostel", zum "Apostel der Völker" und verbreitete die Frohe Botschaft vom Leben und Sterben Jesu und seiner Auferstehung in die Länder der damals bekannten Welt bis in die Hauptstadt Rom.

Reisen bedeutete damals, viele Strapazen auf sich zu nehmen: Paulus wanderte Tausende von Kilometern zu Fuß oder ritt günstigsten Falles auf einem Maulesel und das wochenlang, im Sommer bei brütender Hitze, im Winter bei eisiger Kälte, oft geplagt von Hunger und Durst, ständig in der Gefahr, von Räubern überfallen zu werden.

Kam er in eine neue Stadt, z.B. nach Ephesus oder Korinth, suchte er Unterkunft bei Juden und begann in der Synagoge über Jesus zu sprechen. Sobald er ihn Sohn Gottes nannte, gab es Proteste vieler anwesenden Juden. Er wurde beschuldigt, Gott zu lästern. Mehrere Male wurde er angeklagt und verurteilt, zur Prügelstrafe, fünfmal zu 39 Stockschlägen, mehrmals zu Gefängnisstrafen.

Die konservativen Juden in Jerusalem sorgten dann auch für das Ende seines Lebens. Als er wieder einmal nach Jerusalem kam, um die Verbindung zwischen Heidenchristen und Judenchristen zu festigen, wurde er gefangen genommen. Die Anklage lautete: Missachtung der jüdischen Gesetze. Nach seiner Verurteilung legte er als römischer Bürger Berufung beim Kaiser ein. Als Gefangener wurde er nach Rom gebracht. Doch während sein Prozeß sich hinzog, begannen unter Kaiser Nero die Christenverfolgungen, weil die Christen den Kaiser nicht als Gott anerkennen wollten. Paulus wurde hingerichtet, vermutlich mit dem Schwert enthauptet.

Doch die neue Religion Christentum war schon so stark geworden, dass keine weltliche Macht sie mehr ausrotten konnte. Dank des unermüdlichen Einsatzes von Paulus, der bald als einer der Apostel verehrt wurde.

Rudolf Brinschwitz

Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben. Darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben.

Paulus im Römerbrief Kapitel 1 Verse 16 u. 17

 

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