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Rückblick:
16 Jahre Kirchenvorstand in Groß Elbe

Der Rückblick auf diese relativ lange Zeit ist verbunden mit einer Reihe von gemischten, aber überwiegend positiven Gefühlen. Das kann man schon ahnen, wenn man die Statistik dieser Zeit liest.
3 KV-Wahlen, 3 verschiedene Pfarrer, 15 verschiedene KV-Kollegen (nur Groß Elbe), 2 KV-Kolleginnen verstarben während der Amtszeit, 3 Küsterinnen, 3 Pfarramtssekretärinnen, der letzte Rechnungsführer, 4 Vikare, 2 mal Neuverpachtung des kircheneigenen Ackerlandes, ungezählte KV- und Pfarrverbandssitzungen und Feste.
Wie fing alles an? Kurz nach dem Tod meines Vaters (11/93) sprach mich unser damaliger Pfarrer Liersch an, ob ich nicht Interesse an der Kirchenarbeit hätte. Die liebe seelsorgerische Unterstützung beim Tod meines Vaters noch gut in Erinnerung, ließ mich zur Überzeugung kommen, daß man mit diesem Pfarrer gut zusammen arbeiten könnte. Am 11.3.84, keine 30 Jahre alt, wurde ich dann zum ersten Mal als Kirchenvorsteher eingeführt. 
Meine Zeit als Kirchenvorsteher möchte ich in mehrere Phasen einteilen. Die erste Phase waren die Lehrjahre in jeder Hinsicht. Da gab es die Sitzungen, wo man anfangs den Altgedienten (E.Flohr, F.Froböse und R.Etzold) vielleicht sogar ehrfürchtig zuhörte, Haushaltssitzungen bei denen man nur "Bahnhof" verstand und den Rechnungsführer (E.Rasche) insgeheim für seine Souveränität bewunderte. Da waren die Gottesdienste die man stolz als Lektor in der Form mitgestaltete, daß man das Evangelium und das Glaubensbekenntnis verlas. Anfangs zitterten einem dabei so die Beine, daß einem fast die Stimme versagte. Aber da war auch etwas, was für mich neu war. Durch Pfarrer Liersch hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, Zugang zum Wort Gottes zu haben. In der Konfirmandenzeit hatte man etwas vom Glauben "mitgeteilt" bekommen, jetzt begann man zu verstehen.
Die nächste Phase war die vielleicht schönste Phase. Da war schon Routine. Die Arbeit war intensiv und oft anspruchsvoll. In den KV-Sitzungen gab es viele interessante Diskussionen. Zu einer konstruktiven Arbeit gehörte auch, daß man nicht immer einer Meinung war, auch nicht mit dem Pfarrer. So standen oft lange, aber immer faire Diskussionen an. Für mich war in dieser Zeit Elke Hemmerich eine wichtige Mitstreiterin. Leider mußte sie viel zu früh von uns gehen. 
In dieser Zeit fand der Ausbau des Martinshauses und der Pfarramtsräume statt. Kaum war das fertig, begann auch schon die Kirchenrenovierung. Alles war mit viel Arbeit verbunden. Die Hauptlast hatte jedoch das Ehepaar Liersch. Die Dankbarkeit der Kirchengemeinde ist heute als Inschrift in einer Säule in der Martinskirche zu sehen.
Als Helmut Liersch nach 16 Jahren eine neue Aufgabe innerhalb der Landeskirche übernahm, ging für mich ein Freund, der mein Leben nachhaltig mitgeprägt hatte. Geblieben ist für meine Frau und mich eine Freundschaft zu Helmut und Imogen Liersch.
Mit der Vakanzzeit begann die schwierigste Phase. Dem neuen Kirchenvorstand, in dem ich der einzige "Nicht-Neuling" war, stand eine harte Zeit bevor. 
Die Hauptlast der Vakanz hatten die damalige Pfarramtssekretärin, nämlich meine Frau und die KV-Vorsitzenden zu tragen. Da das wechselnde Recht der Pfarrstellenbesetzung dieses Mal der Landeskirche zustand, bekamen wir schon bald einen Pfarrer auf Probe. Nachdem mittlerweile viele Wunden wieder verheilt sind, möchte ich nicht wieder alte aufreißen. Nur soviel sei gesagt. Meine Vorstandskollegen und ich haben in dieser Phase sicherlich nicht alles richtig gemacht, was auch kaum möglich war. Aber es gab dermaßen viel Probleme mit dem Pfarrer, daß es unsere Pflicht war, unsere gemachten Erfahrungen und Befindlichkeiten dem Propst mitzuteilen. 
In der Kirchengemeinde haben wir während der schweren Zeit Verständnis und Unterstützung erfahren, leider aber auch das Gegenteil. Da gab es Menschen, die nicht ein Wort mit uns Kirchenvorstehern sprachen und keine einzige KV-Sitzung miterlebten, aber über uns richteten, ,ja uns teilweise mit übler Nachrede bedachten. Das macht mich bis heute tief betroffen. Einen Menschen habe ich in dieser Phase bewundert – unseren Vorsitzenden Friedhelm Heidmann. Er hat mit seiner ruhigen, sachlichen Art die Aufgabe des Pfarrverbandsvorsitzenden souverän gemeistert. Dafür waren wir sehr dankbar.
Die letzte Phase schließt nun am 18. Juni mit der Verabschiedung aus dem Amt ab. 
Uns wurde schon zu Beginn der Vakanzzeit Pfarrer Grote als Bewerber für die offene Pfarrstelle vorgestellt. Trotz seiner Absage an das Konfirmanden-Ferienseminar überzeugte uns Herr Grote und ist seitdem unser neuer Pfarrer. Die 17 Monate der Zusammenarbeit mit ihm lassen mich zu der Überzeugung kommen, daß die Wahl richtig war. So manches Mal in den vergangenen Monaten habe ich meine Entscheidung angezweifelt, als Kirchenvorsteher aufzuhören. Mit einem Mal machte die Arbeit wieder Spaß, dank der freundlichen und unkomplizierten Art von Herrn Grote. Aber die Betroffenheit aus der vorigen Zeit ist noch zu tief.
Die 16 Jahre als Kirchenvorsteher waren ein wichtiger Teil meines Lebens und haben tief in meiner Seele Spuren hinterlassen, wobei die positiven überwiegen. 
Dem neuen Kirchenvorstand und der Familie Grote wünsche ich für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen.

Volkmar Denecke

 

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