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Anfänge der Kirche
Besondere Veranstaltungen waren für das Jahr 2000 auch in unserer
Kirchengemeinde angekündigt. Dazu gehört die Vortragsreihe über
die Geschichte des Christentums.
Die erste Veranstaltung fand am 8. Februar im Groß Elber Martinshaus
statt. Reichlich Stoff bot Herr Pfarrer Grote den interessierten Zuhörern
zum Thema: "Christliche Gemeinden in den ersten drei Jahrhunderten".
Wir erfuhren, daß erst 313 durch Kaiser Konstantin mit dem Mailänder-Edikt
das Christentum neben den alten Kulten offiziell zugelassen wurde und sich
damit die Entwicklung zur Staatsreligion anbahnte. Bis dahin gab es kein
einheitliches christliches Geschehen, es war vielmehr die Geschichte der
theologischen Auseinandersetzungen.
Wir wissen, daß die Evangelien viele Jahre nach der Kreuzigung
von Jesus Christus aufgeschrieben worden sind. Markus hat wahrscheinlich
als erster (etwa um 70 n. Chr.) vor der Zerstörung Jerusalems, verschiedene
Überlieferungen, Sammlungen einzelner Geschichten und Augenzeugenberichte
geordnet zu Papier gebracht. Vielleicht konnte man aus einer gewissen Distanz
objektiver und mit weniger Emotionen über Leben und Leiden von Jesus
Christus berichten.
Jerusalem war zunächst Kernsitz der Christengemeinde. Petrus,
Jakobus und Johannes waren am dichtesten dran an Jesus Christus, daher
wurden sie auch Säulen und Träger des christlichen Glaubens genannt.
Die Verbreitung des Christentums fand über die großen Handelswege
statt. Die entscheidenden Missionare waren Paulus und Petrus. Petrus auf
dem Hintergrund von Jesus Christus, Gottesfurcht, Gehorsam und Hoffnung
lebend. Paulus, zunächst Verfolger des Christentums, begann nach seinem
Bekehrungserlebnis zu missionieren. Er unternahm drei wichtige Reisen und
hinterließ blühende christliche Gemeinden, wobei sein Hauptanliegen
die Erkenntnis war: es gibt nur einen Christus. Spalten sich Glaubensrichtungen,
so spalten sie Christus!
Obgleich in den ersten Jahrhunderten die Gedanken von Paulus nicht
so wahrgenommen wurden, hatte er dennoch großen Einfluß. Große
Theologen wie Augustin, Thomas von Aquin und Luther stützten ihre
Theologie auf seine Gedanken.
Die Entwicklung des Christentums stand immer im engen Zusammenhang
mit der politischen Entwicklung. Der Kaiserkult war nicht unproblematisch,
auch Grund der lokal beschränkten Christenverfolgung, und doch gleichzeitig
so etwas wie eine religiöse Klammer im römischen Reich.
Christen wurden übrigens unter anderem auch verfolgt, weil sie
sich der Schwachen annahmen. Diakonie hat also eine ganz alte Tradition.
Nachdem Konstantin Rom besiegt hatte, somit Alleinherrscher des römischen
Reiches war, gab er den Christen Religionsfreiheit (siehe oben) und beendete
damit die Christenverfolgungen, folglich unterstützten ihn die Bischöfe
fortan auch politisch. Rom wurde nunmehr westliches Hauptzentrum des Christentums,
Konstantinopel das östliche Zentrum.
Geprägt waren die ersten Jahrhunderte des Christentums vor allem
durch die Auseinandersetzungen mit griechischer Gelehrtentradition und
ihrer Philosophie. Es galt, das christliche Denken auf dem Horizont der
griechischen Vorstellungen darzustellen. Ein großes Thema dabei war
zum Beispiel die Trinität: Wie kann man festhalten an der Aussage,
dass es nur einen Gott gibt, aber gleichzeitig von Vater, Sohn und Heiligem
Geist gesprochen wird?
Sehr bedeutsam ist, dass innerkirchlich festgehalten wurde, dass die
Wurzeln des christlichen Glaubens im Judentum liegen. Die Herkunft unserer
Religion aus dem jüdischen ist bis heute für uns moralische Verpflichtung.
Einheit gewann die Kirche durch die damals entstandenen Glaubensbekenntnisse
als Grundlage des Glaubens und als Bekenntnis bei der Taufe.
Selbstbewußt darf uns die Tatsache machen, daß das Christentum
auch heute noch die am meisten wachsende Religion ist!
Marianne
Fricke
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