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2000 Jahre Christentum
Gottesdienst
auf dem Weg ins neue Jahrtausend
An der Schwelle eines neuen Jahrtausends hatte unser Pfarrer Grote am
späten Silvesterabend, um 23.30 Uhr zum Gottesdienst eingeladen.
Ich habe lange nachgedacht, kann mich aber an einen Gottesdienst in
der Sylvesternacht nicht erinnern. Zum gemeinsamen Kirchgang, hatten wir,
meine Tochter, Schwiegersohn und ich uns verabredet. So waren wir denn
auch recht früh, um 23.15 Uhr vor der noch verschlossenen Kirche.
Doch pünktlich wie immer waren auch die Küsterin, Frau Ebeling
und Pfarrer Grote zur Stelle. So hatten wir denn auch noch Zeit und Muße,
uns den im Kirchenvorraum aufgebauten Stall von Bethlehem mit Krippe und
der dargestellten Geburt Christi anzusehen. Die aus Pappmache gefertigten
Personen und Tiere wurden in vielen Stunden liebevoller Kleinarbeit von
Pfarrer Grote, den Konfirmanden und Frau Heidmann gefertigt und aufgebaut.
Ein herzliches Dankeschön diesem Team.
Inzwischen hatte sich auch eine kleine Schar von Kirchenbesuchern eingefunden,
darunter auch ein Ehepaar, das eine im Gasthaus "Bürgerschänke"
laufende Silvester-Feier verlassen hatte um doch lieber diesen Gottesdienst
beizuwohnen. Statt Böller in der Silvester-Nacht ziehe auch ich, die
Stille eines Kirchenraumes vor, denn: "In der Kirche fühle ich mich
wie in einer Familie, die ich mir nicht ausgesucht habe, denn sie war vor
mir da und wird nach mir da sein. Manchmal habe ich mich von ihr entfernt,
habe dann aber auch wieder, wie auch jetzt, sehr bewußt "Ja" gesagt."
Da die Kerze mit ihrem Licht den Kern der Predigt in diesem Syilvester-Gottesdienst
bildete, will ich mich, soweit es nach 4 Wochen meine Erinnerung zuläßt,
damit befassen.
Die mich sehr beeindruckende Predigt begann mit den Worten aus dem
Hebraerbrief: "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit".
So sagte Pfarrer Grote, daß die uns überreichte Kerze ein
Zeichen für das Licht sein soll, das von unseren Gott ausgeht und
soll für diesen Vers stehen. Gleichzeitig steht diese Kerze auch für
uns, unser Leben, unseren Glauben und für das, was uns an einem solchen
Abend bewegt.
Die Kerze besteht aus drei Farben: Violett, Weiß und Grün.
Wir begegen diesen drei Farben auch zu verschiedenen Zeiten im Kirchenjahr.
Das Violett steht ganz oben, es ist der erste Teil der Kerze der verbrennt.
Das Licht ist ein Zeichen der Gegenwart Jesu Christi und ruft zur Umkehr
und Buße. Ist auch, so meine ich, ein Zeichen der Vergänglichkeit.
Das Licht der Osterkerze wurde nun, an die der Besuchern ausgehändigten
Kerzen wietergegeben.
Der untere Teil der Kerze ist grün. Grün die Farbe der Hoffnung
und Zukunft. Jeder Einzelne wird mit seinen persönlichen Wünschen
und Hoffnungen in das neue Jahr gehen.
Die dritte Farbe der Kerze ist von strahlendem Weiß und ist in
der Mitte zu finden. Weiß, die Farbe des strahlenden Lichtes das
von unseren Gott ausgeht. Dieses Mittelstück bildete den Kern der
Kerze und ist als Kern des eigenen Lebens, der uns den inneren Halt gibt,
zu sehen. Außerdem ist dieses Mittelstück mit einer goldfarbenen
"2000" versehen. 2000 Jahre Christentum. Von der Geburt Christi an zählen
wir die Zeit. Doch die Zahl 2000 ist eine vergängliche Jahreszahl,
sie wird nach 366 Tagen abgelöst. Doch die Wirklichkeit Jesus wird
sich darin nicht ändern. Es gibt eine Wahrheit, die größer
ist als alle Zeitabläufe, es ist die Wahrheit Jesu Christ. So soll
denn auch dieses Licht der Wahrheit mit uns in das neue Jahrtausend gehen.
Mit dem Gebet "Vater unser" endete denn auch, einige Minuten vor Mitternacht,
dieser bemerkenswerte Gottesdienst. Zeit genug um denn auch pünktlich
um 24 Uhr das "Neue Jahr" einläuten zu können.
Eine gelungene Überraschung hatte sich Pfarrer Grote noch ausgedacht,
um auf das "Neue Jahr" anstoßen zu können, hatte Herr Grote
einige Flaschen Sekt spendiert. Damit konnten wir auch nach dem "Geistlichen"
das "Geistige" in uns aufnehmen.
Alle Besucher waren sich einig, daß dieser Gottesdienst nicht
nur zur Jahrhundertwende, sondern auch zu jedem Jahreswechsel, abgehalten
werden sollte.
Ernst Brecht
Die Kerze
Sieh doch wie sie steht, wankellos
auf ihrem Platz,
hoch aufgerichtet, rein und adelig.
Alles an ihr spricht: ich bin bereit!
So verzehrt sie sich in ihre Bestimmung
–
Unaufhaltsam zu Licht und Glut.
Es ist der tiefste Sinn des Lebens,
sich in Wahrheit und Liebe für
Gott zu verzehren.
Romano Guardini (1885-1968)
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