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Ernst Brecht
ein Leben für die Dorfgemeinschaft

Der Pfarrverbandschor ist für Ernst Brecht sowohl das große Hobby als auch eine verantwortungsvolle Aufgabe: als Vorsitzender und Sprecher, als Protokollführer und Kassenwart, vor allem aber als Organisator von Veranstaltungen. Seit der Chorgründung vor 17 Jahren ist er dabei.. Dazu stapeln sich in seinem Wohnzimmer zahlreiche Platten mit berühmten Chören der Stücke, die unser Chor singt und die er immer wieder gern anhört.
Ernst Brecht ist gebürtiger Groß Elber. Von seinen nunmehr 76 Lebensjahren sind jedoch für ihn drei Jahre besonders prägend gewesen, auf die sein Denken und seine Erzählungen immer wieder zurückkommen: seine Teilnahme am 2. Weltkrieg.
Als 18-jähriger wurde er 1942 eingezogen, zu einer Zeit, als die deutsche Wehrmacht überall siegte. Er wurde gern Soldat; wie er erzählt; denn die Arbeit auf dem kleinen väterlichen Bauernhof machte ihm wenig Spaß; wegen der geringen Hofgröße sah er als Bauer keine Zukunft.
Zunächst beim Jägerbatallion in Goslar, danach in Holland, schließlich in Ostpreußen wurde er zum MG-Schützen ausgebildet. Glück hatte er, daß seine Einheit 1942 nicht wie geplant nach Stalingrad verlegt wurde, sondern nach Frankreich an die Atlantikküste kam. Doch 1943 wendete sich das Kriegsglück der Deutschen. Nach dem Fall von Stalingrad und der Niederlage des Afrikakorps gab es einen Putsch in Italien. Mit der ganzen Division zog der Gefreite Brecht, wie einst Hannibal mit seinen Elefanten, in nächtlichen Fußmärschen über den Mt.Cenis nach Oberitalien. Die deutschen Soldaten waren froh, daß sie die Italiener ohne Kampf entwaffnen konnten. Nun hieß der Auftrag: Sicherung der Mittelmeerküste. Hier lernte er das blutige Gesicht des Krieges kennen. Noch immer hat er Bilder von zerfetzten Menschen vor Augen.
Die Alliierten landeten in Süditalien und rückten nach Norden vor. Als Melder war er bei Monte Cassino eingesetzt, als ihn Ende Januar 1944 beim Beschuß durch schwere Schiffsartillerie ein Granatsplitter im Gesicht traf. Das war Glück im Unglück: er war am Leben geblieben. Es folgten über ein langes Jahr Lazarettaufenthalte, doch für ihn war der Krieg zuende. Gefangenschaft oder Schlimmeres blieben ihm erspart. Ende März bescheinigten die Ärzte ihm "Wehrdienstunfähigkeit".
Am 9. April kehrte er nach Groß Elbe zurück, zwei Tage später marschierten hier die Amerikaner ein.
Ernst Brecht fand eine Anstellung als Milchkontrolleur bei der Molkerei Gustedt. Seine Aufgabe war, die angelieferte Milch auf Qualität, Fettgehalt und Menge zu überprüfen. 1970 wechselte er als Vollzugsbeamter für Lebensmittelüberwachung zur Stadtverwaltung Salzgitter, eine Tätigkeit, die er bis zu seiner Pensionierung 1988 ausübte.
Im privaten Bereich hat sich Ernst Brecht über ein halbes Jahrhundert für sein Dorf Groß Elbe stark engagiert: Er gehörte 1945 zu den Neugründern des Spiel- und Sportvereins Groß Elbe und war bis zu dessen Aufgehen im SVI 1971 Schriftführer und Kassenwart. Unzählige Arbeitsstunden leistete er mit seinen Sportkameraden beim Bau des Sportplatzes und des Vereinsheimes auf dem Elber Berg. Ab 1946 wurde er in den Gemeinderat gewählt. Er war Vorsitzender der Ortsgruppe des Reichsbundes, und er gehörte zu den Mitgründern des Groß Elber Karnevalvereins.
Schwer traf den rüstigen Pensionär 1998 der Tod seiner Frau Waltraud, mit der er seit über 50 Jahren eine glückliche Ehe geführt hatte. Kennengelernt hatte er sie 1945 bei einem Lazarettaufenhalt in Königslutter, noch im gleichen Jahr hatten sie den Bund fürs Leben geschlossen und es gab, wie er erzählt, keinen Tag, an dem sie nicht zusammen waren. Drei Kinder haben sie groß gezogen. Heute hält er jeden Tag stumme Zwiesprache an ihrem Grab.
Wie er sich fit und gesund erhält? Täglich bei jedem Wetter ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen durch Wald und Feld. Und dann gibt es den großen Garten, der gleichermaßen Gemüsegarten, Ziergarten und Obstplantage ist. Besonders stolz ist Ernst Brecht jedes Jahr auf seine prächtig gedeihenden, selbst gezogenen Tomaten und auf die üppig wachsenden Blumenrabatten, von denen er freimütig Freunde und Bekannte beschenkt.
Wir wünschen ihm weiterhin gute Gesundheit, so daß er seine selbst gewählten Aufgaben zur eigenen Zufriedenheit und zum Wohle seiner Mitmenschen erfüllen kann.

Rudolf Brinschwitz
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